Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 74 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Illusion genannt wird, der an ihrer Größe zerschellt. Die Jugendkultur ist keine Klassenspekulation, wie ein gelegentlicher Streik, sie ist der Ausfluß des menschlichen Ringens nach Kultur, wie z. B. die Deformation. Wie zu Luthers Zeiten kirchlich-politisdie und religiöse Dogmen fielen (auch in der kath. Kirche), so wollen wir familien-politische und soziale Dogmen stürzen. Und-eins, der Mittel, die wir verwenden, soll die Ehrlichkeit sein. Wir dürfen von den Begriffen „Familie" und „Ji^end" in ihrer heutigen Bedeutung nicht den kleinsten Teil mehr anerkennen, theoretisch und praktisch. Hans: Wieso? Wir wollen ihnen doch aufs neue Geltung verschaffen, denke ich. Gregor: Den Worten, aber nicht den Begriffen. Was heißt denn Jugend Tieute üblicherweise!: Unzulänglichkeit und notwendiges Übel, Verantwortungslosigkeit und (daher) „goldne Zeit". Und Familie ist der Namen für die Gartenlaubenideale: Lampenschimmer, Sonntagnachmittagsvergnügen, Eigner Herd und Ordnung-muß-sein. Darum darf das Heim uns junger Menschen nicht die Familie, das Elternhaus in seiner heutigen Gestalt sein. Darum darf uns dein Einwand: „Wir lieben unsre Eltern doch" praktisch nichts als eine Phrase sein. Hans: Nun ja, ich muß dir^recht geben — theoretisch, prinzipiell. Aber sieh, wir müssen doch praktisch denken. Sonst fehlt uns aller Grund. Wo kämen wir hin, wenn wir jede Zumutung erwachsenerseits so beantworteten, wie du es vorne darstellst? Ewiger Krach würde herrschen, und Eltern und Kinder würden sich aufreiben. Gregor: Reg' dich nicht auf, wir kommen nicht dahin. So ehrlich ist unsre Jugend gar nicht. Aber selbst wenn isie's wäre. Meinst du, jedes Mädchen sagte: „Diese Frage ist taktlos" zu ihrer Mutter, wenn sie so ehrlich ist, das zu sagen, was es sie drängt? Ein andres sagte vielleicht: Laß solches Fragen, Mutter, du tust mir weh damit. Hans: Warum sagst du nicht gleich so, das hört sich gleich viel besser an. Gregor: Eben weil sich's „gleich viel besser anhört". Das soll's nicht. Sonst klingt diese Redeweise wie ein Kompromiß. Und das ist sie nicht. Sie sagt dasselbe wie die erste, nur stilloser und unsichrer, keineswegs zartfühlender. Du siehst, meine 74