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Der Anfang · 1914-06-01 · Heft 2-3 (Juni 1914) · p. Seite 73

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 2-3 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 73 (sequence 37)
Language
German
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krank, daß unsre Notwehr roh und häßlich erscheinen kann, so ist das nicht uns vorzuwerfen. Und die Norm ist so krank. Bessern können wir sie nicht, drum dürfen wir uns nicht anstecken lassen von ihr. Und das ist nur möglich mittels schroffster Abwehr ihrer tötenden Ansprüche — mittels der „Frechheit", wenn du es so nennst. Hans: Ja, wir lieben unsre Eltern aber doch. Gregor: Allerdings. Aber lieben heißt nicht nachgeben. Das Verhältnis zwischen uns und unsern Eltern ist derart, daß wir nur die Wahl haben zwischen Kampf und Resignation. Was wir wählen müssen, wenn wir-uns treu bleiben wollen, steht außer Frage, denn Kompromisse sind der Untergang der Jugend. Überdies ist das Gefühl, das Eltern und uns verbindet, fast gänzlich abgeflacht, da nie an ihm gerüttelt wurde; und nur in unserm gedankenlosen Glauben an die Konvention liegt der Grund, daß wir uns nicht schämen, es Liebe zu nennen. Spüret du es nicht, wie frostig es klingt, wenn Hans seinem Vater sachlich und gelassen kundtut: „Es tut mir leid, Vater, ich habe mich verabredet." Meine Antwort ist jäher, nicht verbindlich, aber sie kommt aus dem Gemüt, das verletzt ist. Sie ist heiß. Drum mag sie schmerzen, aber sie bindet auch. Ich gebe zu, daß es auf angenehmes Familiendasein verzichten und manche trübe Stunde mehr hinnehmen heißt, wenn man seinen Eltern so entgegentritt, wie ich es ehrlich nenne. Aber: Wir kämpfen nicht für unser Wohlbefinden, sondern für unsre Erziehung. Was uns bedrückt, müssen und werden wir aushalten. Doch unsre Kinder sollen dies nicht mehr. Sie sollen Eltern haben, zu denen sie nicht „frech" sein müssen, um ehrlich zu sein. Hans: Glaubst du denn, daß der Kampf, in dessen Mittelpunkt der Anfang steht und den die Freideutsche Jugend ausfechten soll, so lange währt? Du wirst sehen, wenn sich die Gemüter etwas abgekühlt haben, die Idee nichts Neues mehr ist und der Jugend einige Einräumungen gemacht worden sind, dann fängt das alte Lied von vorne an. Dann gibt's wie heute in den Augen der Erwachsenen unter uns nur „grüne Jungens" und „alberne Gänschen". Gregor: Nein! Das klingt ja, als ob es ein reifer Mann sagte, der keine Illusionen mehr hat; aber nicht wie das Reden eines Jungen, der wissen sollte, daß jede Wahrheit von dem 73

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