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Der Anfang · 1914-06-01 · Heft 2-3 (Juni 1914) · p. Seite 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 2-3 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 71 (sequence 35)
Language
German
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leben in den Formen, die da waren. Der .Geist in ihnen war nicht der, den war brauchten. Und da standen wir auf und bauten leise an dem neuen Bau. Der eine wußte nicht vom ändern. Nun sehen wir's schon deutlich, es ist die Arbeit an einer neuen Kultur. Was für eine Kultur, wissen wir noch nicht. Noch ist viel Hin und Her und Durcheinander, und die Führer haben kein gemeinsames Ziel. Aber alle drängen, und es ist doch ein gemeinsamer Geist, der sie treibt. Wir folgen, wohin, wissen wir nicht Aber wir haben unsern Willen hart gemacht, und unsere Kraft soll nicht erlahmen. Wir wollen kein Halt auf halbem Weg. Wir wollen das, wonach unser Inneres schreit. Ja, wir sind eine Zeitströmung, und dieses Bewußtsein soll uns mutig und stark machen/ Der Geist der Menschheit ist .jes, des Lebens Geist, der uns treibt, sein Atmen in uns ist die Zeitströmung. Wyneken hat uns gewarnt: „ . . . gebt nicht so billig eure Begeisterung her. Noch ist uns mehr seelische Festigkeit nötig . . ." Wollen uns das ehrlich sagen: nicht irgend dies oder jenes gilt es. Auch nicht eine schöne Formel oder ein gutes Wort im Sprechsaal, oder in einem Aufsatz, sondern Wahrheit in unserm Leben und Reinheit im Gehorsam gegen den Geist, der in uns ist. Reporterehrlichkeit Von Hanns vom Bundschuh, Primaner, Berlin In Heft 8 steht der Beitrag: „Schrankenlose Ehrlichkeit" von Vincent. Ich muß mich gegen die darin geäußerten Ansichten erklären. Zwar den praktischen Einwand, die vorgeschlagene Ehrlichkeit gegen Erwachsene stärke nur die Macht unserer Gegner, halte ich keiner Erörterung wert. Der Anfang ist kein „praktischer" Wegweiser. Doch nenne ich das Verhalten, das Vincent „ehrlich" nennt, bestenfalls sachgemäß. Und das kaum, denn in allen Zwiegesprächen ist „geistiger Vorbehalt" ohne weiteres gestattet. Wenn Else antwortet: „In die Konditorei gehe ich, Mutter," so ist das keine Wahrheit, sondern nur keine Lüge. Noch weniger Ehrlichkeit. Es ist nur zuweilen ehrlich, Tatsachen richtig (darzustellen. Der Begriff Ehrlichkeit läßt sich bloß auf den 71

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