Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 70 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mächte des tätsächlichen Lebens: Staat und Kirche, Familie und Schule." „Ihr seid nur eine Zeitströmung, und wie so manche andere, wird auch sie verrauschen und mit ihr eure phantastischen Pläne." Wir kennen diese Worte der physisch und psychisch Vergangenen und regen iuns nicht drum auf. Aber ein Wort darin macht mich betroffen: Zeitströmung. Sind wir nur das? Was ist damit gemeint? — Es ist eins der Erlebnisse des Menschen, wenn er sich zum ersten Male erkennt Daß ich ein Ich bin, ein wirkliches, volles Jch, das ist eine tiefe, freimachende Erkenntnis. Nicht so Leben weckend, aber doch groß und durchdringend ist es, wenn wir zuerst die Lebendigkeit der Menschheit begreifen, ihre Persönlichkeit, ihr Ich, ihren Geist. Auf der Schule sahen wir nur disiecta membra: hier eine große Zeit, dort ein großer Mann; hier die Guten, dort die Bösen. Aber wir kommen weiter und merken: die Großen stehen ja gar nicht allein, um sie herum leben eine Menge Vielleicht Kleinerer, vielleicht waren sie auch nur abseits. Wir sehen, daß die Menschheit ein breiter Strom isC und die Wellen, die die Großen tragen, sind die Zeitströmungen. Ich denke an große Zeiten der Umwertung: Hellenismus und Renaissance. Sie sind gekommen, die Forscher streiten woher, und haben das Denken und Leben der Menschen umgestaltet. Wie eine „Trunkenheit von fremden Dingen" haben sie die Menschen ergriffen, und Großes haben die geschaffen, die sich von ihnen packen ließen, Großes und Trümmer. Sind sie aber nicht dann vorbeigerauscht? Nein, nicht vorbei. Andres ist an ihre Stelle getreten, in dem ihr Bestes wirkte. Und dann wieder andre, und so immer weiter, eine ewige Wellenbewegung. Sind wir auch eine solche Zeitströmung? Es liegt etwas Unzartes darin, sein Inneres zu zergliedern, auch für eine Bewegung. Und doch zerren wir die weißen. Wurzelfasern ans Licht, weil wir bewußt sein wollen. Es ist gekommen, keiner weiß wie. Wir konnten nicht mehr wir selbst sein in dem Rahmen, den man uns bot; konnten nicht j(\