Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 69 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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gänzlich anderes Niveau eingestellt ist. Man hat die Ehrfurcht vor den Wissenschaften, mit denen man sich nunmehr näher beschäftigen soll, bis zu einem gewissen Grade verloren. Man ist gewohnt, sich in den Schulstunden derart zu konzentrieren, daß man das Aufgenommene, in der Arbeitsstunde es im Gedächtnisse auffrischend, in der nächsten Stunde wiedergeben kann. Die Arbeit war also rein reproduzierend; jetzt aber soll produktiv gearbeitet werden. Das aber setzt eine Entwicklung voraus, die das Examen immer viel zu weit hinausschiebt und verkürzt. Somit wird verlangt, daß man nach dem Examen plötzlich ein neues Leben beginnt, plötzlich ein durchaus anderer Mensch wird, und zwar ein produktiver. Die Folge ist regelmäßig die, daß die Obersekunda versagt, sie kann einfach nicht mit, umgekehrt wie in der Staatsschule, wo sie eher verbummelt. Es wird „unintelligent" gearbeitet. Der Schüler wird immer noch versuchen, das, was er in der Stunde gelernt zu haben glaubt, sich inn der Arbeitsstunde zu wiederholen, auftauchende Probleme werden ihn verwirren, er wird sofort meinen, er habe etwas nicht verstanden, er wird keinen Fortschritt an sich wahrnehmen, und die Folge ist: er leistet nichts. Die Arbeitszeit ist ihm zu kurz, mit seinen Studientagen, mit seiner Freizeit weiß er kaum etwas anzufangen. Er wird nervös und mißmutig und vermutet, er könne sich nicht konzentrieren, und die Sommerferien erst geben endlich Gelegenheit, sich auf sich selber zu besinnen und dann von neuem anzufangen. Die Zeit ist kurz, es sind kaum drei Jahre, in denen ihm dann nach unserem Plan die Schule ein vollständiges Weltbild übermitteln soll. Und an all dem ist das Examen schuld, das es ihm so unendlich schwer macht, auf ein höheres Niveau vorzurücken. Was hier der Obersekundaner nach dem Einjährigen-Examen erlebt, erlebt in zweiter Auflage dann der Student nach der Reifeprüfung. Was man infolgedessen von einem bestandenen Examen halten kann, ergibt sich wohl von selbst. Sind wir nur eine Zeitströmung? Von Berlin-Marburg 3 „In zwanzig Jahren werdet ihr sehen, daß eure ganze Jugendbewegung verschwunden ist; aber geblieben sind die großen 69