Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 68 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vorbereitung zum Examen ist: Fertigkeiten, Einzelkenntnisse, nichts als Einzelkenntnisse werden verlangt, keine oder fast keine Grundlagen können geschaffen werden. Nun, das Examen ist überall ein Obel, und es ist auch für uns keine Ungeheuerlichkeit, es zu bestehen. Jeder, der sich etwas Mühe gibt, kann das Einjährige ohne viel Schwierigkeit bewältigen. Uber eine Gefahr, über einen Schaden gerade für den Unterricht an einer Freien Schulgemeinde können wir uns jedoch unmöglich hinwegtäuschen: der Sinn der eigenen Arbeit, überhaupt die Fähigkeit, „intelligent" zu arbeiten, ist durch das Examen jedesmal bedroht. Das ist der Kampf, der immer wieder ausgefochten werden muß: wir müssen uns ein sinnvolles Verhältnis zu der geistigen Arbeit nach 5er Prüfung erst wieder erobern. Es besteht ein tiefgehender Unterschied zwischen dem Unterrichtsbetrieb der mittleren Klassen und dem der oberen. (Ich mache hier nur eine Zweiteilung, beginnend mit Quarta, weil man in den Klassen Sexta und Quinta noch nicht eigentlich mit der Wissenschaft in Berührung kommt.) In den Klassen der ersten Hälfte bis Ober-Tertia gilt es wesentlich Grundlagen zu erwerben. Der Schwerpunkt der Schularbeit wird also in den Unterrichtsstunden liegen. Grundlagen kann man nicht selbst finden. Die Arbeit ohne Lehrer wird also hauptsächlich nur Übung und Repetition sein. Erst wenn die Grufttllagen klar sind, kann die eigentliche selbständige Arbeit beginnen, das Selbstfinden, Selbstschaffen. Jetzt erst erscheinen Probleme, die man bemüht sein wird, selbst zu lösen, jetzt hat man einen Ausblick und sein Handwerkszeug beisammen. Mitten in diesen Übergang hinein schneidet das Examen. Es ist uns durchaus Nebensache. Nebensache nicht etwa in dem Sinne, daß man es ignorieren könnte, es gehört aber nicht zum wesentlichsten Bestandteile unseres Schulbetriebes. Wir betrachten es bestenfalls als eine Kraftprobe, um zu verhindern, daß der leider notwendige Examensdrill zu einer öden Paukerei wird. Aber gerade dieser Examensdrill, der seinen Höhepunkt im Examen selbst findet, birgt die Gefahr in sich, daß der Schüler das Selbstschaffen nicht zuwege bringt. Diese Vorbereitungsarbeit und dies Einlernen ist für beide Teile, Schüler und Lehrer, eine ganz sinnlose Arbeit. Hat man nun das Examen hinter sich, so ist man sicher durchaus unfähig, die Arbeit wieder zu beginnen, die auf ein 68