Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 66 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Was sagen alle feine Fahrten, die herzerquickend fröhlich waren, diesem Mysterium gegenüber, das uns in lichte Sphären führte? Vor uns lag eine weite Zukunft halbdunkel gebreitet, und der leuchtende Schein unserer Welt schien berufen, die fernsten, kommenden Zeiten zu durchdringen. — Jahre sind ins Land gezogen — das Land aber haben wir nicht betreten. Noch immer durchzieht die Jugend die duftenden Wälder, noch immer klingen von ihrem Munde die alten Weisen, noch immer zittert sehnsuchtsvoll das alte Lied der Liebe durch die Nacht. Jener Gesang aber, de» die Ersten sich vom blutenden Herzen sangen, ist verstummt, die Wahrheit, die in den Worten lag, yst verklungen, leerer, bleicher Schall ist geblieben. Die Masse, die die Worte vom Munde derer ablauschte, die sie in ihrer Not vom Herzen sangen, hat schreienden Mord auf sich geladen, sie hat jene Not des Edelsten nicht, oder anders, erlebt, sie hat jenen ergreifenden Ausdruck der Wahrheit in blasse Formen, in haltlose Normen gepreßt und so den „Sinn" unsres Wesens geprägt. Der Schall ist verklungen — das Volkslied ist tot. Es isf herabgesunken zur konventionellen Ware in unsren Kreisen, ist.uns ein billiges Mittel der Unterhaltung geworden. Leichten Herzens singt man vom welkenden, verwehenden Leben, vom peinigenden kalten Grab, von der flackernden Liebe. Selbst wenn weiche Saiten in unsrem Herzen berührt werden, so zerfließen sie in Weh und Leid, und Tränen blinken in unsern Augen. Doch nicht jener weltenferne Schmerz liegt in unserm Singen, nur das leichte Branden der Wellen in unserm Innern rauscht zu uns, nur verklingendes Ahnen zittert uns durch die Seele. Mag es tiefes Trauern sein, daß die Seele wieder starb, daß uns so wTeich, so weh wurde? Wer kann das sagen oder nur ahnen? Die Seele ist tot. Jene, die sie gefunden haben, mögen die Trümmer ihrer Entdeckung durchs Leben tragen, die Masse derer, die folgt, hat sich der Seele unwürdig erwiesen. Wir weinen und klagen unwahr und oberflächlich. Wandervögel, Freunde, brecht die für uns unwahren Formen 66