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Der Anfang · 1914-06-01 · Heft 2-3 (Juni 1914) · p. Seite 63

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Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 2-3 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 63 (sequence 27)
Language
German
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in weltfremden Gegenden gesungen werden; immer feinere Weisen suchten den Weg zu unseren Herzen, und wir haben rsie alle gesammelt, diese Perlen vergangener, verbleichter Zeiten, alle Klänge, die ergreifend von gewaltiger innerer Not sprechen. Der W.-V. wuchs seit jenen Tagen, und weit zahlreicher sind die Horden, die Deutschlands Gaue durchstreifen, immer umfangreicher wurden die Wanderungen der deutschen Jugend. Was mag es gewesen sein, das die Jugend aus den kalten Mauern der Städte trieb? War es aHein die große Not? War es allein das Gefühl des Nichtverstandenseins, wrar es allein das reißende Verlangen, sich gegen die unerhörte Verlegung ihres Wesens aufzubäumen? Wer weiß es . . .? Die Jugend bewegt sich rein impulsiv, von einer inneren, starken Macht getrieben. Es gibt nichts Reineres, nichts Edleres wie die Jugend, in ihr ist am stärksten und am wenigsten beeinflußt das starke Reinlichkeitsgefühl ausgeprägt, das sie z. B. vom Alkohol trieb. War es ein unerhörter Zufall, der die Jugend das Wandern lehrte, oder war es einer jener Zufälle, die kein Zufall sind? Was war es, nochmals, das die Jugend in die Einsamkeit führte? War es eine Abkehr vom Leben, — oder war es Jnicht heißer Lebenshunger? Oder war es eine jener unbegreiflichen Regungen eines über uns waltenden Geistes, der zur gegebenen Zeit den edelsten Menschen zum Träger eines ungeheuren Gedankens macht? Wer mag es wissen . . . Es war, rein äußerlich genommen, die zuckende Romantik, die die Jugend in die Berge führte, es war eine brennende, «unsagbare Sehnsucht, die ihr das weiche Volkslied auf die Lippen drängte, und jene Liebe, jene flammende Liebe, von der das Volkslied hundertfach erzählt, jene Liebe war der Jugend in der Stadt gestorben und hatte sie hinausgetrieben in den dunkeln Wald, ihr heißes Weh einsam zu klagen. So eilten junge, dem brandenden Leben der Stadt fremde Menschen durch die lockende Natur. Sie lagerten am rauschenden Gebirgsbach, am breit fließenden Strom — immer und immer war es die weltfremde Einsamkeit, die sie lockte. 63

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