Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 62 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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reihen Glut, daß sie euch hineinstrahle in euer Innerstes und euch den reinen, feurigen Mut, den flammenden, wehenden Idealismus zünde, daß ihr ihn hinaustragt in die weite Welt und ihr kündet, daß die Kraft und die Liebe wieder geboren ward. Und heute abend, Wandervögel, fernab der Welt am leuchtenden Maifeuer wollen wirvon Dingen reden, die gar zu selten gehört werden, die so gerne wie rinnender Sand zerfließen. Heute abend ist die Stunde, da wir im schweigenden Walde uns zusammenschließen woHen, um in ernstem Suchen neue Pfade durch das Leben zu bahnen. Ich sehe eure erstaunten, halb vorwurfsvollen Blicke, die mir sagen wollen, daß ich dem Abend, der stillen und doch eindrucksvollen Sprache des flammenden Feuers seine Anmut raube. Wandervögel, es muß gesagt sein, und nie war der Ort geweihter, nie war die Stunde gerufener. Ich weiß, daß es uns nicht ansteht, viel Worte aus unserem Wesen zu machen, ich weiß, daß unsere Art schwer in eine Form zu pressen ist, wir alle wissen, daß der W.-V. von uns nur dann verstanden wird, wenn wir uns jauchzend in seine Arme werfen und ihn vollen Herzens erleben. Wenn ich es dennoch wage, heut^ abend einiges vom W.-V., von seiner inneren Entwicklung und endlich von seinen Werken zu reden, so ist es die schreiende Not, die drückende Angst, die mich dazu zwingt, so ist es die Erkenntnis eines suchenden Menschen, daß wir uns blind auf falsche Bahn begeben haben, so ist es das quälende Gefühl, daß der Boden unter uns durchwühlt ist, daß die Gefahr immer drohender wird und der Tag kommt, der uns von der inneren Haltlosigkeit und Unwahrhaftigkeit des W.-V. erzählt. Ich will heute abend nur eine Form der Gefahr darzulegen suchen, ich will nur an einem Zweig des großen Baumes zeigen, wie das Wachstum stockt, wie er bald absterben muß. — Ihr wißt wohl alle, daß vor etwa sieben Jahren den damals kleinen W.-V. die seltsame Märe durchlief, daß es in unserer Gegend, in Süddeutschland, Leute gibt, die eifrig Volkslieder sammeln — und wenige Monate später sang man bei uns wie in der Mark und überall die ersten Lieder. Seit jenen Tagen wurden zahllose Lieder gefunden, die noch 62