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Der Anfang · 1914-06-01 · Heft 2-3 (Juni 1914) · p. Seite 57

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Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 2-3 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 57 (sequence 21)
Language
German
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war ihnen nicht zweifelhaft, daß bei anderen Gruppen ein anderer Geist, aber doch eben etwas von dieser unpersönlichen Art „Geist" herrschen würde. Da sich solcher Hetairien bald einige zu bilden begannen und sie den Kreis der Grünen in der Tat sprengten, so wurde diese „gesellige Arbeitsgemeinschaft" in einer Hausgemeinde fast ohne Widerrede aufgelöst. Die Zahl der Besucher des Sprechsaals war indessen im Ver^ gleich zu den Raumverhältnissen ins Abenteuerliche gewachsen» Hatte er früher durch das Gespräch nach dem gehörten Vortrag alle außerordentlich angeregt, so fiel jetzt auch dieses weg, und es blieb nunmehr die recht zweifelhafte Wirkung eines Vortrags, der manchmal geistreich, manchmal langweilig, flach oder tief, je nachdem Neues oder Altes sagte. Die Diskussion war meistens wirr und verflattert, vielfach eitel und hochmütig, die Luft war stickig und man stand dicht gedrängt. Den Grünen bot dieser Sprechsaal gar nichts mehr, und allwöchentlich aufs neue tauchte die Idee auf, ihn aufzugeben. Aber er blieb bestehen. Zum Teil, weil die Mehrzahl glaubte, ihn als Propagandastelle für die Idee Jugendkultur nicht entbehren zu können (wobei nicht einzusehen war, erstlich, wieso durch Vorträge etwas propagiert werden könnte, das im wesentlichen Vision, Wille und Glaube ist; zweitens noch viel weniger zu begreifen war, wie irgend jemand durch diesen Samstagnachmittag hätte angelockt werden können, wo er doch kaum angeregt worden war). Er blieb bestehen zum anderen Teil, weil ihn die Sprechsaalbesucher haben wollten. Merkwürdig genug, wo doch eine starke Strömung gegen die Grünen aufgekommen war und eigentlich kein Mensch vom Bestehenden befriedigt war und niemand den Willen, ja bei der monarchischen Verfassung auch gar nicht einmal die Möglichkeit hatte, das Bestehende zu ändern. Die Gründe können hier nicht auseinandergesetzt werden. Und auch die Wirkungen auf den engeren Ring der regelmäßig .Besuchenden und auf die breite Menge der Wiener Mittelschuljugend sollen in einem späteren Kapitel geschildert werden. Genug, der Sprechsaal gründete sich immer aufs neue, so oft er aufgelöst wurde. Und als die Grünen nicht mehr bestanden, und also auch nicht mehr Einer in ihrem Auftrag alle Geschäfte besorgen konnte, da wurde von den Sprechsaalteilnehmern ein Fünferausschuß gewählt. Sein erstes war, daß er systematisch die Vorträge der einzelnen Gruppen auf die Wochentage verteilte und ergänzte, so daß von jetzt ab „täglich Sprechsaal" war. Freilich nicht so, 57

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