Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 55 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2709933-3186119-3186121--564-3186618- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
war eine Aufgabe; die Formenfindung war die zweite Aufgabe; die dritte war die Leitung der Jugendkulturbewegung. Die schiefe Idee von der bewußten Fonnenfindung, die Verquickung von Qeseliigkeit und Arbeit und der Mangel an einer führenden Ide;e hat die Qrünen nach wenigen Monaten aufgelöst. Und das war so gekommen. Die Einrichtung der Sprechsäle, wie sie im ersten ^Anfang" geschildert worden war, hatte begeisterte Nachahmung in vielen Städten gefunden. Wien war sozusagen der Vorort geworden, und die Zahl seiner eigenen „Sprechsäler" verdoppelte sich, seit eine eigene Wohnung gemietet war, von Samstag zu Samstag. Der „Anfang" hatte seine Redaktion in derselben Wohnung, das Archiv für Jugendkultur wurde dort aufbewahrt, das Akademische Comitee für Schulreform hatte dort sein Büro. So entwickelte sich reges Leben. Täglich kamen Materialien, Zeitungsausschnitte, Nachrichten in das Haus und wurden an die Wand geklebt; es begannen die ersten energischen Angriffe; man hatte unzählbare Pläne, überschüssige Kraft, ungedämmten Schwung und Begeisterung. So wuchs ein Kraft- und Machtgefühl, das seinen Ausdruck fand in großen Hoffnungen. Und es entstand ein ernster Wille, mit Umsicht und Konsequenz dieses Bewegen, das allerorten entstand, zu vertiefen, zu erhalten und zu richten. So wuchs den Grünen der Wille, die Leiter der Jugendkulturbewegung zu werden. Und darum nannten sie sich eine Arbeitsgemeinschaft Man verlangte von jedem, daß er einige Stunden wöchentlich dieser Arbeit widme. Man verlangte von jedem noch eine Arbeit, nämlich die unentwegte Arbeit an sich selbst. Man fand in der Meißner Formel der Freideutschen Jugend diesen Leitgedanken treffend zusammengefaßt. Darum fühlte man sich auch allen jenen verbrüdert. Aber man mochte sich am Formalen der inneren Wahrhaftigkeit und ihres Ausdrucks nicht begnügen. Man wollte Inhalte finden. Aber schon daß man sie suchte, war falsch. Man war organisatorisch den Aufgaben nicht gewachsen; es gab zu viel Ideen, zu wenig Arme, zu viel Temperament und zu wenig Besonnenheit. Man begann weitsichtig zu werden und sah das Nächstliegendste nicht. Man wollte die erwachsene Menschheit bewältigen und wurde vom Staub in den Zimmern bewältigt. Doch alles dies wurde langsam eingesehen. All dies hätte die Grünen nur einen Umweg geführt; zugrunde gegangen sind sie an einer inneren Unklarheit. 55