Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 53 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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aus Stumpfheit und Blasiertheit, und eine besondere, die bezeichnet wäre durch einen ständig geplanten, aber nie zur Ausführung gelangten Vortrag: Was kann der Mittelschüler für die Schulreform tun? Eine gewaltige Anregung hätte ausgehen sollen von einem Zentrum gleich gerichteter Jugend, wie es im ersten Zirkulare hieß: „der S. W. M. ist das Zentrum freier, geistiger Betätigung der Wiener Mittelschülerschaft". Dieses Zentrum intensiver, geistiger Arbeit hätte von selbst eine weit hinausstrahlende Wirkung versendet. (Dies ist auch in einem nie geahnten Maße, freilich in etwas anderer Richtung, wirklich geschehen.) Diesen mag wohl als letztes Ideal sich damals nach und nach die Idee eines allgemeinen Jugendheims gebildet haben, einer Art Klubhaus, das der ganzen Jugend offenstände und alle Mittel zu geistiger Anregung (soll hier heißen: verstandesmäßiger, theoretischer) bieten sollte. Aber sehr bald begann ein anderes zu wirken, das den ganzen Bau, die ganzen Zukunftspläne — sie mögen mehr flach oder mehr tief, mehr auf den Einzelnen gerichtet oder auf die Gesamtheit zielend gewesen sein — langsam, aber stetig verschob. Beim offiziellen Ende der Diskussionen waren manche noch lange nicht am Ende ihrer Gedanken, ihres Mitteilungsbedürfnisses, ihrer Aufnahmefähigkeit. Man blieb noch lange zwischen Tür und Angel, man pendelte von Wohnung zu Wohnung, sich hin und wider begleitend. Die Gespräche führten in immer tiefere Schichten des eigenen Erlebens, der verborgenen Seele. Man machte die Entdeckung, daß man auch Fremden sagen konnte, was man kaum langjährigen Freunden mitzuteilen gewagt hatte. Spaziergänge in den Wiener Wald im Frühling und im Sommer vermehrten, vertieften solche Erlebnisse. Und je mehr man diesen „über der Gruppe schwebenden Gesamtgeist", dieses Wunder der „Geselligkeit" erfuhr, um so mehr suchte man es, um so mehr wurde dies das Wesentliche und Wertvolle des Sprechsaals. Während der Gedanke eines allgemeinen Jugendheims um sich griff, sich allmählich bei allen durchsetzte, und bestimmte Pläne ernsthaft erwogen wurden, begannen einzelne das Schwergewicht von der geistigen Anregung wegzulegen in die Idee der Geselligkeit. Dazu kam, daß man gerade in diesem Punkte den Gegensatz zwischen Jugend und Erwachsenen außerordentlich deutlich und schmerzhaft empfand, und daß man das im Tiefsten 53