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Der Anfang · 1914-06-01 · Heft 2-3 (Juni 1914) · p. Seite 48

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Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 2-3 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 48 (sequence 12)
Language
German
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Liebe und wieviel Geduld! Man würde dem Dichter schöne Kleider und Früchte geben für sein Werk und dem Maurer Nahrung und Heim. Heut gibt man jedem Geld. Damit sind die wirtschaftlichen Prozesse in ihrem Ablauf unendlich vereinfacht und die mannigfaltigsten Möglichkeiten menschlicher Tauschleistungen und Abhängigkeitsverhältnisse entstanden. Von der Regelung des materiell-menschlichen Lebens aus drang das Geld in die Gebiete geistiger, sittlicher Menschenbeziehüngen ein: Vieles ist jetzt geschäftlich geregelt, was nicht mehr, wie die Natur, eine möglichst sachliche Beherrschung verlangt; geistige Arbeit wird jetzt nur mit blanken Münzen bezahlt, ja Freundschaft und Ehe werden vom Gelde erfaßt. Einst ^nachte es den Menschen frei von der schwerfälligen Hemmung der Naturalwirtschaft, jetzt ist es fast Alleinherrscher geworden: es objektiviert und glättet auch die persönlichsten Beziehungen. Was unsern Taten nur ein Mittler sein sollte, begann sie zu beherrschen: Liebe, Gastfreundschaft, Kunst, die nur rein von Mensch zu Mensch bestehen können, haben fast aufgehört, in Freiheit vom Geld unter uns verwirklicht zu Sein. Sie wurden in ihrer Erscheinung und ihrem Wesen vom Gelde abhängig und verwirrt. Geld blieb nicht Mittel; es wurde zum Wert. Und damit begann seine Gefahr. ~*Denn nun verknüpfen wir mit einem Mittel, weil es uns beherrscht, unsere Ehre, unsere Gesinnung. Menschen, die nie von Moral Gebrauch machen, fangen bisweilen in Geldsachen mit der Anständigkeit an. Liebende achten eifersüchtig darauf, daß jeder für sich bezahlt, weil Geld verpflichtet. Denn wie in der kapitalistischen Wirtschaftsentwicklung Geld nicht mehr nur Mittel ist, Nahrung zu gewinnen, um mit Anstand leben zu können, sondern Ziel wurde eines Erwerbes, der auf maßlose Zersplitterung und differenzierteste Verfeinerung der Bedürfnisse ausging, so verschob sich auch in der Ethik (im weitesten Sinne) die Stellung des Geldes. Der Preis wurde das Maß aller Dinge (Philippovich). Und wie das Geld unsere sinnliche Existenz heute erst begründet, da die patriarchalischen Bande der Gastfreundschaft, in denen reine geistige Menschen früher leben konnten, nicht mehr bestehen, so gründen wir heute auch unsere geistige Existenz, unsere sittliche, auf das Geld. Darin liegt etwas organisch Notwendiges, aber auch unsere größte Gefahr. So mächtig wurde das Geld, daß ein reines Leben, 48

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