Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 2-3 (Juni 1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- Seite 45 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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nehmen oder fälschen lassen. (Daß einzelne sich für sich durchgekämpft haben, bedeutet nichts; denn leicht verliert ein sinnvoll gewolltes Leben im sinnlosen Wirren umher seinen Sinn.) Auch wir sind Jugend. Werden auch wir den Weg ins Tal gehen? Wir wollen uns vergegenwärtigen: Die Früheren sind in Vereinzelung verkommen, Jünglinge, die ohne Rüstung, ungeübt, in die Schlacht zogen. Wir haben die Pflicht, da die Forderung des Geistes so nicht rein erfüllt werden konnte, dies auf dem andern Wege zu versuchen: auf dem Wege der Qemeinschaftsbildung. Die freien Schulgemeinden, hier und da einige Gruppen im Wandervogel (soweit dies möglich), wachsen auf in dieser Bildung. Vielleicht sind auch die Sprechsäle als Ansätze dazu zu betrachten. Der Sinn einer Gemeinschaftserziehung ist der: daß Menschen, die das gemeinsame Grunderlebnis, das ihrer Jugend, gehabt haben, sich zusammentun, um sich in sich, durch gegenseitige Hilfe, stark zu machen, die Forderungen, die sie erlebt, wie eigene Bestimmung, eigene Verantwortung, Wahrhaftigkeit aus ihrer fernen Höhe, wo jede Wolke sie verhüllen, jeder Sturm sie herabwerfen konnte, mit dem Menschen zu verketten. Um unter dem Treiben dieses Windes die Erkenntnis des Lebens zu erobern, diese Erkenntnis ausranken zu lassen ins Leben, das Leben zu durchwirken, umzugestalten. Diese Gemeinschaftserziehung wird ^abseits von dem übrigen Leben geschehen müssen. Alle Einwände, die man dagegen hat, scheinen mir herzustammen aus der ästhetischen Freude am Kampfe, wo er am wildesten ist, und am Ausbalancieren der Kräfte, oder aus einem Nichtwissen von der Größe der Gefahr. In uns ist der Feind, das eine Ich, das immer bereit ist, in die Triebe des Wohlbefindens, des egoistischen Individualismus, der Bequemlichkeit zurückzufallen. Dieses Ich haben wir in stetem Kampfe zu enteignen, und wir dürfen nicht, im Morgengefühl unserer Kraft, es noch einen Bundesgenossen von außen werben lassen. Wir wollen den Mut haben, zu gestehen, daß wir das Leben um uns fürchten müssen. Denn nicht darum steht es unter der Anklage der Verführung, weil es unsere Werte nicht anerkennt, sondern weil es sie uns unter der Hand durch Kompromisse 45