Mannheim
Compact Memory

Der Anfang · 1914-06-01 · Heft 2-3 (Juni 1914) · p. Seite 44

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 2-3 (Juni 1914)
Date
1914-06-01
Page
Seite 44 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2709933-3186119-3186121--553-3186607
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mitten in Bergen lagert lange Zeit eine Karawane, unter den leuchtenden Gipfeln. — Eigentlich hat sich die Menschheit seit Jahrhunderten nicht entwickelt: reinlicher sind vielleicht ihre Erkenntnisse, aus höherer Luft, aber die solche Erkenntnisse füllende Oesinnung ist immer ein Fehlendes. In früheren Zeiten ist vielleicht die Durchwirkung von Erkenntnissen und Gesinnung wahr geworden, heute erlebt jeder in sich und in der Kultur diese Zweiheit. Es ist die Frage: Wie ist dies möglich geworden? Nicht ist dies zu erklären durch das die Menschen beherrschende Gesetz der Reaktion, ^las jedes höchste durch das ihm Tiefste erschlagen läßt, das jede Generation zum Kämpfer macht gegen die Elterngeneration. Dies Gesetz ließe es zu, daß der Geist, wie jede Zeit ihn faßt, rein gefaßt wird, so rein, widerspruchslos, daß diese Epoche nie wieder bebaut zu werden braucht. Es ist noch immer die Frage: Wie ist dies möglich geworden? Jedes Geschlecht hat doch einmal im Gewitter seine Jugend erlebt. Erlebt: Ich bin der Anfang, ich bin der Tragende. Und wurden untreu — zerbrachen, verschlossen, verdrängten, wenn sie in die Gesellschaft des Lebens trat&n. Die Blumen verdorrten, die sie aus ihrem Heimatsland mitgebracht Der Koloß, das Angeschwemmte und Hartgewordene dumpfer Erfahrung und Triebes, stand. Einige wehklagten und zerbrachen, da das Leben sie untergezwungen hatte, und nicht sie das Leben hatten umschaffen können für den Geist. Einige retteten, was zu retten war, und bauten sieh ein kümmerliches Haus. Aber es war ihr Haus, wo sie frei waren. Viele lachten über Treue. — Es wäre dem Gesetz der Reaktion viel von seiner menschlich schmerzlichen Härte genommen, wenn alle Generationen die Erkenntnis ihrer Jugend rein in ihr Leben übergeführt hätten, das Leben, Tatmenschen, danach geschaffen hätten. Dann würde jede Generation die andere als einen Gegner sehn, vor dem man Achtung hat. Nun sieht sie sie pfäffisch geworden. Es ist also so: Jedes Geschlecht ist einmal Jugend gewesen. Und jede Jugend hat ihre Kräfte verpufft, oder hat" sich die Forderungen des Geistes, die sie erlebt hatte, aus den Händen 44

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.