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Der Anfang · 1914-05-01 · Heft 1 (Mai 1914) · p. Seite 33

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Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 1 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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finden, z. B. die, daß man nur ein in England äußerst selten getragenes Kleidungsstück, das dort sogenannte Dinner Jacket (auf Deutsch Smoking) anzuziehen brauche, um von jedem Engländer sofort als ein Gentleman betrachtet zu werden. Er wird nie einsehen, daß dieser Zweck häufig deswegen nicht erreicht wird, weil er seinen Verkehr mit Damen ungefähr auf denselben Ton stimmt, wie ein Reiseonkel seinen Verkehr mit dem Zimmermädchen im Hotel. Fragt man ihn dann über das Kulturleben seiner Heimat aus, so hört man ihn wohl die Ansicht vertreten, die Deutschen hätten einen besonderen faustische^ Erkenntnisdrang, eine besondere Gründlichkeit, ein besonderes Gemüt u. dgl.; und orgelt gar zufallig in der Nähe eine Leierorgel den Einzugsmarsch der Gäste auf der Wartburg, so wird er mit den Füßen den Takt dazu wippen oder, falls er nicht lieber pfeifen sollte, von der großen musikalischen Begabung der Deutschen sprechen An dieser schlechten Erziehung ist natürlich nicht nur die Kinderstube und das „System" schuld. Ich habe nie begreifen können, warum man fast immer nur von dem System sprechen hört, wenn ein Teil der Studenten den anderen in Verruf tut oder über eine halbe Million Jungen dem Jungdeutschlandbund beitreten: Ist es nicht das allerschlechteste Zeugnis, das man der Jugend ausstellen kann, wenn man von ihr sagt: „Das System macht sie so." Fragt man dann nicht unwillkürlich: „Ja, zum Henker, sind denn diese Menschen Wachs, das man in alle beliebige Formen quetschen kann? Sind sind sie denn bewußtlos dahinlebende Tierchen, die sich von jedem Herdenhund einschüchtern lassen und keine Beine haben, um über einen Zaun zu klettern?" Darauf hört man oft die Erwiderung: „Ja, die Jugend ist eben noch nicht ausgewickelt, darum sind die Einflüsse der Umgebung für sie von größerer Bedeutung als für den erwachsenen Menschen mit klarem Denken, vollem Bewußtsein und festem Willen/' Aber folgt daraus nicht u. a. besonders, daß man der Jugend eben schon in früherem Alter und in höherem Maße, als es jetzt geschieht, das Selbstbewußtsein und den Willen stärken sollte? Was ist für ihre Charakterfestigkeit gewonnen, wenn man etwas, was sie nicht haben soll, aus dem Daseinskreis der Jugend entfernt, so daß es für sie nicht mehr existiert. Sollte man es ihr nicht lieber beständig unter die Nase halten und sie lehren, mit vollem Bewußtsein, Grund und Vorsatz „Nein" zu denken und zu handeln, wo der Nachahmungstrieb, die Trägheit, Dummheit und Feigheit „Ja" sagen? Wenn es mir nun so bei dem Erziehungsprozeß in erster Linie auf den Geist anzukommen scheint, so erscheinen mir doch die Institutionen darum nicht weniger wichtig. Es ist offenbar von großer Bedeutung, ob eine Behörde, eine Kirche, eine Generation,, ein Geschlecht, eine Rasse oder eine Klasse denkenden und forschenden Menschen den Mund verstopfen kann oder ob das unmöglich ist. Ob gewisse Apparate und Maschinen, deren sich das wissen- 33

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