Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 1 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Bücher Selbstanzeige Manchmal kann es wirklich eine intellektuelle und moralische Nötigung sein, die einen Autor veranlaßt, sein Buch anzuzeigen. Wenn die Redaktion glauben sollte, daß dies in meinem Fall zutrifft, so möchte ich sie um die Erlaubnis bitten, zu den Lesern des „Anfang" einiges über meine kürzlich gemeinsam mit Herman Kranold verfaßten Schriften: „Wege zur Universitätsreförm" und „Neue Beiträge zur Hochschulreform" (beide verlegt bei E. Reinhardt, München 1913) sagen zu dürfen. Der ,»Anfang" will einen neuen Schulgeist entfachen. Wir wollen einen neuen Hochschulgeist entfachen. Der „Anfang" macht Schulreform „von unten herauf', d. h. er macht die Voraussetzung, daß es eine Jugend gibt, die sich mit Bewußtsein einordnet in den Kulturprozeß und das Weltgeschehen. Wir machen Hochschulreform „von unten herauf', d. h. wir machen bei der Studentenschaft dieselbe Voraussetzung, die 'der „Anfang" bei der Jugend im Allgemeinen macht. Wir bestreiten nicht, daß unsere Hochschulen gute Laboratorien, schöne Seminare, gründliche Gelehrte (von denen einige gute Lehrer sind), und einige organisatorische Mängel haben. Dagegen sind wir der Meinung, daß der Geist, der durch die Hallen der deutschen Hochschulen weht, sich dem 20. Jahrhundert gegenüber etwa so verhält, wie ein alter Handwebstuhl zu einer modernen Webemaschine. Diese Erscheinung ist die Resultante aus vielen Einzelerscheinungen, und von diesen letzteren ist nach unserer Meinung eine die, daß der deutsche Student im allgemeinen noch ein ziemlich gedankenlos dahintroddelndes Lebewesen ist. Was für ein kläglicher Typ der deutsche Durchschnittsstudent heute noch ist, gewahrt man am besten, wenn man ihn in einem ihm fremden Milieu beobachtet, wo es Auffassungsgabe, Urteil und Auftreten, Anpassungsfähigkeit und doch zugleich Charakter zu beweisen gilt. Man beobachte ihn einmal da, wo er sich deutlich von seiner Umgebung abhebt, meinetwegen in der Sorbonne, in Oxford, auf dem Ozeandampfer u. dgl.: Da wird einem zunächst auffallen, daß er den Kellner anschnauzt, wenn der Koch zu langsam ist; daß er den Gepäckbeamten darüber zur Rede stellt, daß er diejenigen Passagiere zuerst abfertigt, die zuerst am Schalter waren; daß er sich wie ein Nußknacker verbeugt, wenn er vorgestellt wird. Ferner wird man oft mit Erstaunen an ihm bemerken, daß er französisch zu sprechen bemüht ist, da, wo sich ein normaler Mensch bemühen würde, seine Muttersprache korrekt zu sprechen, und daß er deutsch spricht, wo er eine fremde Sprache zu sprechen glaubt. Merkwürdige Ansichten wird man von ihm über die Macht der Kleidung vertreten 32