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Der Anfang · 1914-05-01 · Heft 1 (Mai 1914) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 1 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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nen kann, das — nun, ein spießerhaft oberflächliches Urteil ist das. „Wenn unsere jungen Leute abstinent bleiben und außerehelichen Verkehr vermeiden, so werden sie ein hohes Liebesideal behaupten und sich selbst vor venerischen Krankheiten schützen." Kostbare Zusammenstellung: hohes Liebesideal und venerische Krankheiten — aber charakteristisch. Wenn alle die guten Ratschläge befolgt werden, „dann haben Sie, falls anders das Schicksal nicht dagegen ist, und soweit es an Ihnen liegt, die Anwartschaft darauf, in der heiligsten Stunde des Lebens an Körper und Seele rein vor ein geliebtes Weib zu treten und in freudevoller Vereinigung mit ihm in ein Wesen aufzugehen, gesunden Kindern das Leben zu geben" usw. „Falls anders das Schicksal nicht dagegen ist", wird ganz nebenbei schamhaft berührt. Man kann nämlich in der fünfzehnjährigen „Wartezeit"' krank, verrückt und Krüppel werden. Examina mit Durchfallgelegenheit gibt's auch genug, und in unsern Zeiten, in denen die Kornwalzer rollen, muß man sich schließlich auch mit dem Oedanken vertraut machen, daß man binnen acht Tagen auf irgendeinem Schlachtfeld die reine Seele aus dem reinen Körper aushaucht. Kitzelgefühle erzeugt die rührende Anregung, mit einer Botanisierbüchse ausgerüstet „Höhenwanderungen" zu unternehmen, um erhaben zu sein über die „niederen Sphären Überwucheraden Trieblebens", Pflanzen zu sammeln und sich „eine schöne Sammlung" davon anzulegen. „Das erfordert wieder Zeit", und Zeit totzuschlagen ist der Zweck der Übung. Damit nicht die Phantasie — ja die böse Phantasie! Einige Existenzberechtigung wird ihr übrigens zugestanden: „Gerade diejenige Geistesäußerung, welche uns auf der einen Seite die erhabensten Produkte menschlicher Kultur durch den Genius der Dichter, Maler, Bildhauer und Musiker vermittelt, ist auf der anderen Seite, wie es scheint, durch enge Bande mit dem Geschlechtstrieb verknüpft, so daß dieser einerseits oft unbewußt in veredelter Form in die Schöpfung solcher Meisterwerke hineinklingt, ja den Genius sogar direkt inspiriert." Ist es angesichts dieser erschreckenden Tatsache noch zu rechtfertigen, wenn der Rat gegeben wird: „Erfüllen Sie Ihre 29

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