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Der Anfang · 1914-05-01 · Heft 1 (Mai 1914) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 1 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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Gesetze erkennt. Beide Sinne sind jedem gesunden Menschen angeboren und harren nur der Entwicklung; man muß künstlerisch hören lernen, ebenso wie man künstlerisch sehen lernen oder lesen oder sprechen lernen muß. Mit einer diesbezüglichen Ausbildung haben sich August Bahn in der Freien Schulgemeinde Wickersdorf, vor allem durch Instrumentalensemblespiel, Karl Eitz durch Solmisation (Anwendung gewisser Wortsilben als Ton- Symbole beim Singen) und Jaques-Dalcroze durch seine sogenannte „rhythmische Gymnastik" und Gehörsbildung (auch mit Solmisation) erfolgreich betätigt. Von der letzteren Schule möchte ich ein paar Worte besonders reden; sie kommt gegenwärtig am meisten als musikalisch-praktisches Erziehungsmittel in Betracht, da außer der Haupt-Bildungsanstalt Dalcroze in Hellerau bei Dresden schon Zweiganstalten in Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., Kiew, London, Nürnberg, Petersburg, Prag, Warschau, Wien bestehen, zu deren von anerkannten Lehrkräften geleiteten und von Dalcroze selbst inspizierten Kursen für nicht hohes Honorar jeder Mensch Zutritt hat. Jaques-Dalcrozes „rhythmische Gymnastik", die weder Tanznoch Turnunterricht ist, wenngleich sie sekundär auch deren Erfolge aufweist, bezweckt die Ausbildung des rhythmischen Gefühls (im weiteren Sinne) in einem eigenartigen Koppelungssystem: der^Geist soll ein gespieltes Musikstück aufnehmen und der Körper das Rezipierte augenblicklich, fast reflexartig, wiedergeben; eine vollkommene körperliche Wiedergabe musikalischer Bewegung — welche die vollkommene Aufnahme voraussetzt! — ist das Endziel dieser Ausbildung. Dazu tritt dann eine selbständige Ausbildung des Gehörs in analoger Koppelung von Aufnahme und Wiedergabe durch Gesang (Solmisationssilben als musikalische „Erinnerungsbilder"). — Hier ist also schon viel erreicht. Was die theoretische Erziehung aber anlangt, so soll sie den Erzogenen befähigen, sich der Kunstwerte der Musik, die der praktisch geschulte Sinn intuitiv, ja fast automatisch empfindet, bewußt zu werden. Das Gefühl empfindet untrüglich: da ist etwas Wertvolles; der Verstand aber rechtfertigt das Gefühl, indem er auf die Fragen antwortet: was ist da wertvoll und warum ist es wertvoll? Verstand und Gefühl zusammen begründen den festen persönlichen Standpunkt des Rezipierenden'dem Rezipierten gegenüber, der sich im Urteil kundgibt. Eine solche 20

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