Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 1 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Verstandestätigkeit ist aber wiederum nur möglich auf der Basis eines gewissen Maßes von Wissen, dessen, was man musikalische Bildung im engeren Sinne nennt Uber die Erlangung dieses Wissens, durch „Kunstunterricht", wie er es nennt, hat sidi August Halm einmal sehr treffend geäußert („Musik und Hochschule" in „Die Freie Schulgemeinde", 2. Jahrg., Heft 1, Oktober 1911): „Das gründliche Erkennen künstlerischer Werte ist also die Aufgabe des Kunstunterrichts, der sich an das künftige Publikum wendet. Ästhetik und Kritik ist sein Inhalt. Damit der Sinn für den Willen der musikalischen Formen, für die Lebensgesetze der Musik, wie sie zusammen in Harmonik, Rhythmik, Melodik wirken, erschlossen und gebildet werde, gibt es so vieles zu tun, was über jedem persönlichen Geschmack steht, daß man nicht genug darüber erstaunen kann, wie selten hierfür methodisch und zielbewußt gearbeitet wird . . . Das also ist das Eine, wovon ich gerne hören möchte: ein Unterricht, der einer systematischen Bildung des Zuhörens, des Erkennens der Werte im Bau, in der Sprache eines Werks dient . . ." Diesen Unterricht betreibe nun vorderhand jeder so, daß er sich in kleineren Büchern \vie Schmitz' oder Halms Harmonielehren (Kösel, die andere Göschen), Grunskys „Musikästhetik" (Göschen), Riemanns „Grundriß der Musikwissenschaft" (Quelle & Meyer), Kochs „Instrumentenkunde" (Kösel), Volbachs „Das moderne Orchester" (Teubner), Krehls „Allgemeine Musiklehre" und „Musikalische Formenlehre" (Göschen) u. ähnl. über musikalische Prinzipien zu orientieren suche und das Gefundene dann in seiner praktischen Verwendung beim Studium (Spielen, Hören und vor allem Lesen) von Meisterwerken prüfe. Ist so ein gewisses Elementarwissen erreicht, so gehe der Lernende immer weiter vor zu schwereren und größeren theoretischen Büchern (auch musikgeschichtlichen Inhalts) und zum Studium komplizierterer Partituren. Um nur noch drei größere theoretische Werke hier zu empfehlen, nenne ich Capellens „Fortschrittliche Melodie- und Harmonielehre" (Kahnt), Riemanns „Kontrapunkt" (Breitkopf & Härtel) und das oben schon genannte prachtvolle Buch Hahns „Von zwei Kulturen der Musik" (Georg Müller). Das Ziel einer musikalischen Kultur ist also keineswegs unerreichbar. Nur dreierlei braucht es: Liebe, Mut und Arbeitskraft. 21