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Der Anfang · 1914-05-01 · Heft 1 (Mai 1914) · p. Seite 18

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Journal
Der Anfang
Volume
2. Jahr (1914)
Issue
Heft 1 (Mai 1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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und Elternhaus die Schaffung einer musikalischen Jugendkultur nicht zu erwarten ist. Andererseits ist aber klar, daß eine solche Jugendkultur unerläßlich notwendig ist, um die Verhältnisse zu ändern. Daraus folgt nun ebenso zwingend die unbedingte Verpflichtung der Jugend, sich aus eigener Initiative eine musikalische Kultur zu schaffen! Wenn die „Erwachsenen^ nicht für ihre musikalische Bildung sorgen, so muß sie selber suchen, sich allmählich eine wirkliche, auf positivem Wissen und geschultem Empfinden beruhende musikalische Kultur zu erwerben. III. Der auffällige Mangel einer musikalischen Bildung, den ich hier zu kennzeichnen versuchte, hat in letzter Linie naturgemäß einen sachlichen Grund: die allgemeine Unerfahrenheit und Unlust, Kenntnisse zu erwerben, beruhen auf der großen Jugend der Wissenschaft, welche die für die Allgemeinheit notwendigen Kenntnisse ihr vermitteln soll. Künstlerische Bildung ist (näheres hierüber in den Breslauer „Akademischen Blättern", VI. Jahrg., Nr. 21) eine Folge der Popularisierung kunstwissenschaftlicher Erfahrungen. Erst wenn die Wissenschaft ein aufgestelltes System allgemein anerkannt hat, wenn nicht mehr über wesentliche Grundlagen gestritten wird, kann dgs System Eigentum des weiteren Kreises der Gebildeten werden. Nun streitet aber heut noch die Musikwissenschaft über viele Teile ihres Systems. Nicht eine einzige wirklich befriedigende Elementarlehre, d. h. eine ästhetisch begründete einheitliche Terminologie der Musik haben wir; die Erklärung eines scheinbar so einfachen Gebildes, wie der Molldreiklang ist, haben wir bisher nicht finden können; die Namen Rhythmus, Takt, Tempo, Agogik werden planlos durcheinandergeworfen; Motiv und Thema werden noch nicht einmal auseinandergehalten („Leitmotiv" anstatt Leitthema und umgekehrt „Thema" statt Melodie oder Phrase). Der Erfolg eines ganzjährigen Harmonielehreunterrichts auf einer preußischen Universität — bei einem ziemlich jungen Privatdozenten — ist, daß weder Lehrer noch Schüler das „Tristan"-Vorspiel harmonisch analysieren können, und der Lehrer sagt, da ständen bloß „harmoniefremde" Noten; Frage: welchen festen Harmonien fremd? So bös isfs schon mit dem Einfachsten. Wo aber ein ernstes und bedeutsames Fortschreiten, reiche Entwicklungsmöglichkeiten 18

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