Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 2. Jahr (1914)
- Issue
- Heft 1 (Mai 1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht gut. Einige reproduktionstechnische Studien sind alles, wofür die Eltern sorgen. Im Hause wird bestenfalls von Eltern und Kindern zusammen „musiziert", d. h. ähnlich wie in der Schule, nur meist etwas besser, praktische Repnoduktionstätigkeit getrieben. Damit die Kinder die technischen Vorbedingungen hierzu halbwegs erfüllen, erhalten sie Instrumental-, teils auch Gesangunterricht. Aber auch in ihren „Musikstunden" hören sie nichts von den Kräften und Gesetzen, die in allen ihren Spielvorlagen lebendig sind und die entstehende akustische und seelische Wirkung notwendig bedingen. Der Lehrer ist „Praktiker" und hat ihnen nur das „technische", möglicherweise auch eine sogenannte „Auffassung" zu zeigen; die Begründung der Auffassung erfährt der Schüler nie, — da sie meist der Lehrer- Praktiker selbst nicht weiß. Wieviel unserer Violin- und Violoncello-Lehrer, geschweige gar Klavierlehrerinnen, sind denn theoretisch durchgebildet? (In dieser Hinsicht wird es erst die nächste Generation besser haben, als heute das Lehrer- bzw. Lehrerinnen- Examen kaum mehr zu umgehen ist und dabei ein gewisses Maß theoretischer Kenntnisse verlangt wird.) Von einem besonderen theoretischen Unterricht der Jugend ist kaum jemals die Rede, und fast scheint das gut zu sein; denn der „Harmonielehre"-Unterricht, der gewöhnlich erteilt wird, ist gerade dazu gut, um das irgendwo im Geiste des Schülers ahnungsmäßig vorhandene Verständnis für musikalische Wirkungen völlig zu ertöten. — Mit dieser Vorbildung geht nun der Heranwachsende in die Oper, ins Konzert, harmlos wie ein neugeborenes Kind. Er hat von dem gehörten Werk in der Regel einen unbestimmten, nebelhaften Gefühlseindruck, eine oder die andere Stelle ist im Gedächtnis haften geblieben; das nennt man dann „Kennen" des Werkes. Wenn es aber nachher aus dem Klavierauszug „mit unterlegtem Text" oder — bei Instrumentalkompositionen — vier- Tiändig gespielt wird, so heißt das „Studieren". Und wenn man sich gar noch vor dem Hören durch Lektüre der meist recht bösen musikfeuilletonistischen „Führer" darauf ^vorbereitet", so Icönnen die Tanten nicht genug erzählen, „wie musikalisch" der junge oder das Mädel ist. Aber das werden, wenn es so weiter gehty die Leute, die bei Bruckner zischen! — Was ich behauptete, habe ich zu begründen versucht: daß angesichts der heutigen musikalischen Kulturzustände von Schule 17