Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 376 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ja, dort, wo sie in Liebe an mich denken, kann ich nicht fröhlich sein, kann ich mich nie wohl fühlen, eine Kluft klafft abgrundtief zwischen uns, zwischen zwei Generationen, die verschiedener Art sind. Dort lieben sie nun den Sohn, nicht den Geist im Sohn, der ihnen fremd ist, dort wähnen sie ihn in ihre Art pressen zu können, sie wissen nicht, daß nur im gegenseitigen Verzichten die wahre Liebe liegt. Ich kann hier nie glücklich werden. Doch heute will ich es sein! Nein, ich kann nicht, ich kann nicht meine Eltern vergessen, denen ich bitteres Weh bereiten muß, um nicht unglücklich, doch auch nicht glücklich zu sein. Müde starre ich in die Ecke . . . Wir schweigen alle, jeder hängt seinen Gedanken nach, die ähnlich wie meine sein mögen. ... Plötzlich springt ein Mädel auf, eilt ans Fenster und ruft: „Heil! Die Glocken im Dorfe läuten! Heil! Frohes neues Jahr!" Ich trete still ans Fenster. Durch die Nacht rufen voll und klar die Glocken uns ins neue Jahr, weihevoll, tief ernst hallt das Läuten der kleinen Dorfkirche durchs weite Tal, und der Wintervvind trägt das Rauschen und Wehen über die weiten, weiten Höhen. Dort unten, tief vom Schnee bedeckt, liegt Wüstensachsen. Von den Häusern strahlt helles Licht in die eiskalte Winternacht So lebensvoll, so lebenswarm dringt die Flut des Lichts durch die Fenster und scheint doch nur ein Abglanz des Glücks zu sein, das in dem Hause wohnt . . . Dort schütteln sich Menschen, frohe Menschen warm die Hände zum neuen Jahr, und auch fern von mir, daheim . . . Eine Hand legt sich auf meine Schulter, und ich erwache aus meinen Träumen. Ich blicke in zwei klare, gute Augen, lange — dann erwidere ich den Wunsch fürs neue Jahr: Heil! Ein frohes neues Jahr! Ich nehme meine Klampfe, suchend gleiten die Finger über die Saiten, spielen einige volle Akkorde und Töne und, wie wenn es so sein müßte, klangen zu einem starken Lied zusammen: „Ich hahe Lust im weiten Feld . . 376