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Der Anfang · 1914-04-01 · Heft 12 (April 1914) · p. Seite 375

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 12 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 375 (sequence 15)
Language
German
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Eigentlich gefällt es mir hier sehr wenig. Ich vermisse den frischen, scharfen Winterwind, der so schneidend über die beschneiten Höhen des Rhön fegte, ich empfinde die Unsauberkeit des Bauerngutes furchtbar unangenehm. Und heute haben wir den 31. Dezember, den letzten Tag im alten Jahr. Zurückschauen mag ich nicht . * . Mir ist doch eigen zumute. Heute bin ich zum ersten Male in meinem Leben zur Jahreswende nicht zu Hause, heute habe ich wieder ein Band zerrissen, das durch Tradition seine Weihe empfing. Froh möchte ich sein, so recht von Herzen froh! Heute feiere ich vielleicht zum erstenmal einen wirklichen Abschied vom alten Jahr, fühle vielleicht doch ein frohes, starkes Gefühl in mir, wenn die Stunde kommt, die die letzte im alten Jahr ist! Heute kann ich in dieser Stunde gesund und stark jenem Wesen entgegentreten, das sich Zukunft nennt. Heute schleiche ich nicht müde, abgespannt, verbittert ins Bett, presse nicht meine heiße, überquellende Sehnsucht zurück ins Herz, kämpfe nicht gegen wilde, aufschäumende Verbitterung. Heute höre ich nicht Punschgläser klirren und weinmüde Stimmen ein frohes neues Jahr lallen! Heute . . . Nein! Froh will ich sein. Kann ich es wirklich? Wild hämmert mir mein Herz, pocht in stürmischen Schlägen, mahnt mich, mahnt mich an meine Jugend: Herrgott! Fröhlich, kraftvoll fröhlich möchtest du sein. Ich starre vor mich hin . . . Nein, ich kann nicht, ich will nicht. Fern weilen meine Eltern, denken an den Sohn, der sie floh, der im Kreise seiner Freunde ins neue Jahr geht. Sie können nicht verstehen, daß er floh, sie lieben ihn doch so sehr, sie häufen alles Gute auf ihn, sie wollen nach ihren Auffassungen sein Bestes, sie wissen nicht, sie können nicht wissen, wie sehr er darunter leidet. 375

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