Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 370 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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S.: Nur verlaß dich nicht zu sehr auf Aristophanes! Er ist ein wenig einseitig, zu griechisch in seiner Auffassung. Glaub nicht, daß unter den Millionen Menschen nur ein einziger zu deiner Erziehung prädestiniert sei! Arn wenigsten in der Jetztzeit, wo die Jugend sich selbst erzieht. Die Gesamtheit der Jugend ist sozusagen berufen, jedes ihrer Glieder zur Persönlichkeit zu bilden. Somit beruht die Erziehung auf Gegenseitigkeit. P.: Und das Elternhaus? S«: Es bleibt bestehen als ein Faktor, gibt immerhin nur die Atmosphäre seines Wesens dem jungen Menschen mit. Laß dann die Mutter getrost — wie Barbizon ihr rät — einen Beruf ergreifen, sie wird sich wohl fühlen. P.: Und — Sokrates — die Mädchen? S.: Rechne getrost deine Freundin Else mit zur Jugend. Jungen und Mädchen sollen sich zusammen und gegenseitig erziehen — in „schrankenloser Ehrlichkeit"! Die Koedukation ist die erste Forderung der Sexualethik. P.: Je nun — Sokrates —, jetzt weiß ich weder aus noch ein und steh da, wie der Ochs am Berg! S.: Bewahre, lieber Freund, du bist auf dem besten Wege nach Wickersdorf! Unser Land Ein Gegenstück zu: „Das Land Eurer Kinder"4. Alle, die bis jetzt im „Anfang" häusliche Zustände geschildert haben, pflegten eine gänzliche Verständnislosigkeit und einen völligen Mangel an Anteilnahme seitens der Eltern in Bezug auf das Seelenleben ihrer Kinder vorauszusetzen, so daß einem unbefangenen Leser der Eindruck aufgedrängt wird, daß überall solche Zustände herrschen. Dies ist ja ganz erklärlich, — denn diejenigen, die zu Hause solche Eindrücke empfangen, werden natürlich die erste Gelegenheit benutzen, ihr Herz öffentlich auszuschütten. — Aber zu einer Verallgemeinerung dieser Zustände liegt keine Veranlassung vor. Es gibt doch sehr, sehr viele Väter und Mütter, die mit, nicht neben ihren Kindern Jeben, die danach streben, sich ihr Vertrauen zu erwerben, die sich bemühen, mit ihnen zu denken und zu fühlen, und die keinen Ab-