Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 365 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sie besteht darin, die im Kinde ruhenden körperlichen und geistigen Kräfte harmonisch zu einer möglichst hohen Entfaltung zu bringen und es für den Daseinskampf entsprechend auszurüsten, Haben nun die Eltern in ihrer Gesamtheit diese Aufgabe selbst erfüllt oder Institutionen zu diesem Zwecke geschaffen? Die Antwort lautet selbstverständlich: nein! Sonst sähen wir nicht täglich Jünglinge mit flacher Brust und gesenktem Haupt bücherbeladen zu den Schulen eilen — wo sie sich an den Taten Alexanders des Großen begeistern werden —, wir wüßten nicht, daß ihr Rücken vom langen Sitzen auf Schulbänken gekrümmt ist — sie hören dabei Vorträge über die körperliche Ausbildung der Griechen —, diese Jünglinge würden nicht ihr Gedächtnis mit Jahreszahlen oder der Konjugation der Verba auf—mi anfüllen, während sie sich in hellen Sonnenschein, in die Natur hinaussehnen, sie hätten vor allem nicht das bedrückende Gefühl, sie seien trotz ihrer Jugend nicht so glücklich, als sie sein könnten! „Aber," höre ich, „wendest du dich nicht mehr gegen die Schule, eine Staatseinrichtung, als gegen die Eltern, die auf die Gestaltung des Lebens in der öffentlichen Schule keinen Einfluß üben?" Das eben nehmen wir ihnen übel; daß sich die Eltern unser, deren Erziehung fast gar nicht im Elternhause vor sich geht, die wir den größten Teil unserer Jugendzeit in der Schule unter der Leitung Fremder vertrauern — daß sich die Eltern unser da nicht annehmen und Änderungen im Schulleben nicht mit genügender Energie durchsetzen; daß sie, die wohl wissen, was ein Kampf der gesamten Elternschaft gegen die heutige Schule bedeuten würde, sich durch Bequemlichkeit und Eigenliebe abhalten lassen von einem Kampfe für ihr — „Teuerstes"! II. Diesen Kampf für uns zu kämpfen, haben also die Eltern versäumt Was tun sie nun mit uns im Elternhaus? — Da lassen sie es an Arbeit nicht fehlen, aber mich dünkt, sie tun des Guten hier zu viel. Sie nehmen uns die fürs Leben notwendige Selbständigkeit, indem sie für uns denken, uns nicht nach freiem Willen handeln lassen, indem sie uns schließlich die Beschäfti-