Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 12 (April 1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 363 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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recht. Die Kinder hingegen seien durch Dankbarkeit an ihre Eltern gekettet Dazu ist folgendes zu sagen: Daß mir meine Eltern das Leben gegeben und es mir äußerlich schön (= bequem) gemacht haben, dafür kann ich ihnen nicht dankbar sein. Denn ich würde diesem Leben — auch wenn es noch so schön (= bequem) wäre — augenblicklich ein Ende machen, wüßte ich, daßes zwecklos ist. Wäre daher die Familie nichts anderes als eine Gemeinschaft auf Qrund des dort Geborenseins, so wäre diese Gemeinschaft ebenso sinnlos als es für mich das rein äußerliche Leben ist. Sinnvoll kann sie nur dann werden, wenn sie sich eignet zu einer Stätte allgemeiner Geisteskultur. Die Natürlichkeit ist also nicht schon eine Rechtfertigung des Familienlebens (wohlgemerkt: des Zusammenlebens der Eltern mit der älteren, der zielsuchenden Jugend; denn von Kindererziehung ist hier nicht die Rede), und ein Recht auf Zusammenleben besteht nur, wenn das Zusammenleben der eben genannten Bedingung entspricht Für uns ist aber das heutige Familienleben in jedem Falle ohne höheren Sinn, weil es sich unter keiner Bedingung zur Arbeit am Geiste eignet. Ich will zuerst noch einmal zu verdeutlichen suchen, was ich mit Arbeit am Geiste meine. Vielleicht: lebendige Kulturarbeit im höchsten Sinn. Zweierlei muß man hierzu voraussetzen: 1. Zusammenhang mit dem geistigen Leben und 2. Einfügung in die Allgemeinheit. Das Familienleben aber ist ja gerade eine Flucht aus der Allgemeinheit und ein Rückzug aus dem Leben. Es beschränkt sich auf einen gewissen Kreis und stellt sich zur Öffentlichkeit in bewußten Gegensatz. Die Arbeit am Geiste erfordert Aufopferung und nimmermüdes Streben, die Familie will nichts von solchen Pflichten wissen, und statt geistiger Arbeit will sie Ruhe und Gemütlichkeit. Die Grundlage aller Geisteskultur ist Gleichberechtigung. Das Familienleben hingegen kennt nur die absolute Herrschaft auf der einen, die Unterordnung auf der anderen Seite. Im Schema des Familientages ist geistig selbständige Entwicklung nicht möglich. Von noch weit größerer Bedeutung ist aber, daß das Familienleben dem Allgemeinleben und damit der Arbeit am Geiste entfremdet. Denn in ihrer Abschließung nach außen hin und in ihrer Bequemlichkeit ist sie durchaus unsozial und egoistisch gesinnt Die Folge ist eine indirekte Erziehung zu sinnlosem Individualismus, zu Eigenbrödelei und Abneigung gegen