Mannheim
Compact Memory

Der Anfang · 1914-04-01 · Heft 12 (April 1914) · p. Seite 362

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 12 (April 1914)
Date
1914-04-01
Page
Seite 362 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2709933-3186105-3186118--476-3186525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

beeinflußt ist, an, instinktiv nach einem Zweck für sein Daseirt zu suchen, nach einem hohen allgemeinen Ziel als Richtungspunkt für sein ganzes Handeln. Bisher bestand seine Tätigkeit hauptsächlich im Aufnehmen, jetzt aber fühlt er in sich den Drangt zu verwerten, aber nicht durch mechanische Anwendung aufgespeicherten Wissens, sondern in zielbewußter, sinnvoller Arbeite indem er seine Kraft in den Dienst einer allgemeinen Sache stellen möchte. Wird er von der Alfgemeinheit fern* gehalten, so leidet er darunter. Aus diesem Grunde ist die zweite Hälfte der Gymnasialzeit für uns eine Leidenszeit Denn von der ersten bis zur letzten Klasse erfährt das gewohnte Eintrichterungssystem keine Änderung; trotz der durchgreifenden Veränderung der Schüler bleibt der Schulbetrieb immer der gleiche und als „Ziel" gibt man uns ein altes, verwaschenes Greisen^ ideal. Die Türen sind vor der Welt ängstlich zugeschlossen, und statt uns in einem sinnvollen Leben fort- und emporgerissen m fühlen, kriechen wir täglich träge denselben verhaßten Weg. Wir sehen uns ausgeschlossen von dem Leben um uns her und bekommen nichts davon zu Gesicht als seine äußere Umrandung von Ereignissen, sein innerster Antrieb bleibt uns verborgen. Das kann nicht mehr so weiter gehen. Die Schule, die unsere Zeit und unsere Kraft für sich in Anspruch nimmt, muß auch den Bedürfnissen unseres Geistes gerecht werden. Wir gehen nicht in die Schule, um uns unsere Ziele außerhalb zu suchen. Die Schule will unser Beruf sein, gut, so soll sie uns auch einen Beruf geben. Und da sie das in ihrem System nicht kann, so verlangen wir eben eine neue Schule, die uns nicht am Sinne unseres täglichen Lebens verzweifeln läßt, die uns nicht mehr zum Vegetieren zwingt, sondern uns in die Allgemeinheit einfügt und uns so fähig macht zur Mitarbeit am Geiste. Diese Schule ist die freie Schulgemeinde. Indem wir aber diese neue Schule fordern, sind wir gezwungen, zugleich noch ein Zweites zu verlangen: nämlich die Freigäbe der älteren Jugend vom Familienleben. Denn die heutige Familie ist als Aufenthalt für uns ebenso ungeeignet wie die heutige Schule. Es wird dies zwar allgemein bestritten und ihm die Behauptung entgegengestellt, die Familie sei der von Natur gegebene Aufenthalt der Kinder, und die Eltern hätten auf das, dauernde Zusammenleben mit ihren Kindern ein natürliches Aiit.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.