Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 11 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 352 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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blieben — wenn nicht ein für einen modernen Gedanken begeisterter Kamerad mir diesen beigebracht hätte und dadurch die Schranken, die mich von meinem „Ich" trennten, durchbrochen hätte. Ist dieser Durchbruch einmal gelungen, so wird er häufig nie mehr nötig oder aber viel leichter sein. Welche Ansicht man auch später haben möge, sie wird Überzeugung sein und jnicht Nachschwatzen. Es ist nun aber von der größten Wichtigkeit, daß diese Anregung im richtigen Augenblicke eintritt. Von unserer jetzigen Jugend hängt die neue Zeit, der neue Humanismus ab. Wenn ein Viertel Regsame drei Viertel Träge mitschleifen muß, wird die Arbeit ungeheuer erschwert, wenn nicht unmöglich. Fast alle aber können regsam werden. Unsere Oberlehrer tun nichts dazu, also heran, ihr Studenten, ihr Primaner, hämmert mit gewaltigem Hammer gegen das Gefängnis des Geistes eurer Kameraden und sorgt dafür, daß der Geist eurer jüngeren Brüder oder Mitschüler nie in ein solches Gefängnis kommt, öffnet den einen die Augen und sorgt dafür, daß die anderen sie nicht in dem Augenblick, in dem sie sehen lernen, wieder auf immer schließen. Erleichtert ihnen die Arbeit für die Schule, schafft ihnen Zeit zur Beschäftigung mit anderen Dingen. Lauscht ihnen, ihr könnt es am besten — ganz abgesehen davon, daß ihr die einzigen seid, die augenblicklich dafür zu haben sind — ihre Interessen ab, dringt ihnen nie eine Meinung auf, sorgt aber dafür, daß sie ständig eine haben, nie aber sich auf eine festlegen. Das wichtigste aber ist und bleibt, ihnen klarzumachen, daß alles Wissen nur dann Erkenntnis vermitteln kann, wenn es sich organisch mit dem übrigen Wesen verbindet. Kein menschliches Wesen, namentlich kein durchschnittliches, ist so veranlagt, daß es sich nicht mindestens selbst glücklich machen könnte, und ihr älteren, die ihr den „Anfang" nicht nur lest, sondern auch versteht, müßt durch euern Einfluß ein Gegengewicht gegen das sinnverwirrende Wissen der Schule bilden. In einem Satze ausgedrückt möchte ich sagen: Unser einseitiges Erziehungswesen bringt das Philisterium hervor, jedoch können auch bei unserm jetzigen System, freilich unter großem Zeit- und Energieverlust diejenigen, die das erkennen, einen Keim geistiger Lebendigkeit pflanzen. 352