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Der Anfang · 1914-03-01 · Heft 11 (März 1914) · p. Seite 351

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 11 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 351 (sequence 31)
Language
German
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Angeborene oder anerzogene Anlage zum Philistertum Von Nunquam Idem, Berlin Es ist für mich in der letzten Zeit die traurigste Erfahrung, die ich an meinen Kameraden habe machen müssen, die gewesen, zu sehen, daß mindestens drei Viertel von ihnen schon mit 16 oder 17 Jahren Philister sind. Die einen haben einen politischen Standpunkt, in den häufigsten Fällen einen rechtsnationalen, der für sie Dogma ist, gegen den zu sprechen als Verbrechen gilt, andere erklären unsere Zeit von vornherein für dekadent und nicht wert, daß man sich mit ihr beschäftigt, wieder andere sind fanatische Antisemiten — weil die Zeitung ihres Vaters es ist —, von allen aber kann man behaupten, daß ihre Ansicht keine vorübergehende, sich weiter entwickelnde ist, sondern eine solche, die die Grundlage für spätere Stammtischdiskussionen wohl bilden kann. Hier höre ich es schon, das erhabene Gelächter all derer, die die Jugendbestrebungen bekritteln, die die Jugend für unreif . erklären, und die mit dem eben Gesagten schleunigst ihre "Ansichten belegen. Auch sie sind Philister; denn sie unterscheiden nicht zwischen äußerer und innerer, zwischen anerzogener und der im Wesen des Menschen begründeten Reife. Ein harmonisch ausgebildeter Mensch ist in jedem Alter in einem Sinne reif, und wenn ich sagte, daß drei Viertel meiner Kameraden Philister seien, so stellte ich noch gar keinen Grund, sondern nur /die Tatsache fest. Diese Tatsache aber führt sich auf die Erziehung zurück, und zwar darauf, daß uns totes Wissen ohne Verbindung mit unserem Wesen häufig sogar im Gegensatz zu unserem Wesen eingepaukt wird. Die meisten vergessen überhaupt, daß sie ein Gefühl haben, denn der so erstrebenswerte, von der Schule gepredigte „Charakter77^be^teht ja in^der Unterdrückung unserer natürlichen Triebe. Eh wir aber zu diesem Bewußtsein kommen, hat man uns in den tieferen Klassen bereits soviel aufgebürdet, daß uns Jfas^Aufstehen äußerst schwer wird. Wenige nur können es ofiM^frilhde, von außen kommende Hilfe. Ich habe es an mir selbst erlebt, — auch ich wäre vielleicht unangeregt ge-

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