Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 11 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 350 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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hause betonte, sagte sie, daß sie es gerade für notwendig halte, daß die Kinder in diesen Jahren bei den Eltern wären. Denn nach der Kindheit, die die Erziehung zum „kleinen Menschen" darstellen müsse, träte das eigentlich erzieherische Amt der Eltern zurück gegen die Entwicklung eines freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Eltern und Kindern. Und das könne doch nur in der Familie stattfinden. Nein, eben gerade nicht! Ich gebe zu, daß die Jugend allmählich auf Grund des ursprünglichen Gegensatzes und aus ihm heraus zu einem Freundschaftsverhältnis führen soll. Aber das ist unmöglich im Rahmen des Familienlebens. Eine bestehende Freundschaft kann über kleine Fehler des andern hinwegsehen. Aber über die tagtäglich aneinander beobachteten Fehler, Härten und Lächerlichkeiten hinweg entstehen kann keine eigentliche Freundschaft; zumal die Jugend in dem Alter so außerordentlich empfindlich ist; ich denke dabei besonders an die Liebeserlebnisse, denen gegenüber die Eltern gar nicht ernst und taktvoll genug sein können. Erst die Distanz kann uns zu einem andern Verhältnis zu den Eltern verhelfen, und zwar in erster Linie die räumliche, also die Entfernung vom Elternhause. Ich habe das am eigenen Leib erfahren: Das letzte Primajahr bin ich von der Familie fern geblieben, auch für die Zeit des sonst heiligsten und schönsten Familienfestes, Weihnachten. Und dieses eine Jahr hat den ganzen Gegensatz zum Elternhaus gelöst, durch die Distanz. Die Art der neuen Gemeinschaft, in der die Jugend verbracht werden soll, ist klar: es ist die Schulgemeinde. Denn das, was für die Mehrzahl der heutigen Jugend ihr eigentliches Jugendleben so unfruchtbar macht, ist der Zwang, sich aus drei ganz getrennten Faktoren eine einheitliche Lebensführung zusammenzusetzen: aus Elternhaus, der Schule und der selbst eroberten Freiheit („Wandervogel" oder was es sein mag). Diese Einheit bringt die Schul« gemeinde: Das Elternhaus rückt in ideale Ferne, das, was die Eltern jetzt sein wollen, Freunde und Führer, die Aufgabe der Schule und die Aufgabe des „Wandervogels", das -jugendliche Gemeinschaftsleben, das alles stellt die Schulgemeinde oder wie man die neue Schule nennen will.