Mannheim
Compact Memory

Der Anfang · 1914-03-01 · Heft 11 (März 1914) · p. Seite 344

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 11 (März 1914)
Date
1914-03-01
Page
Seite 344 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2709933-3186105-3186117--457-3186505
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kleinigkeiten quält, ihn sinnlos langweilt, ihn unterdrückt, daß immer wieder Lehrer auftauchen, die sich sogar über Regierungserlasse hinwegsetzen, um mit der brutalen Gewalt ihrer behördlich genehmigten Autorität das Recht des Schülers zu brechen — all das wollen wir immer wieder buchen und wieder vorbringen, weil es Symptome des ganzen Systems sind. Und wir wollen uns auch nicht durch den Einwand irre machen lassen, daß das ja nur vereinzelte Ausnahmefälle seien. Symptome sind immer Ausnahmen. Aber als besonders scharf aufleuchtende Ausdruckserscheinungen eines Systems sind sie von entscheidender Bedeutung. Nur das eine wollen wir darüber nicht vergessen: daß es das System ist, was wir bekämpfen. Und das Krankhafte dieses Systems liegt wesentlich in dem, was es nicht bringt. Die allerwichtigsten Elemente des jugendlichen Lebens kennt es übterhaupt nicht: Zum Beispiel Führerschaft, jugendliche Erotik, Kunsterziehung. Hörte ich da neulich in einer Winterfrische des Harzes das Gespräch zweier Oberlehrer: „Kunsterziehung — das ist überhaupt Blödsinn. Die Jungen begreifen ja doch nichts von Kunst. Da haben wir ihnen nun den Cäsar mit lauter Illustrationen gegeben — aber sie schauen sich die Büdei überhaupt nicht an." Wenn der Herr Oberlehrer in seiner Jugend eine Kunsterziehung genossen hätte, so würde er wissen, daß der Weg zur Kunst sicher nicht über die Illustration geht, sondern daß es dort auf die elementarsten innersten Erlebnisse zurückgreifen heißt. Ohne Berührung mit diesen wird man hier überhaupt immer an der Oberfläche bleiben und über bestenfalls intellektuelles Begreifen nie hinauskommen. Aber das ist es eben: die Schule versagt hier vollkommen, sie ist unfähig, mit diesen Dingen überhaupt etwas anzufangen. Aber noch deutlicher wird das absolute Versagen der Schule an den Dingen, die sie glaubt bewältigen zu können. Ich meine vor allem den wissenschaftlichen Unterricht. Er ist das einzige, worin die Schule noch etwas leistet — eine oft sogar gute wissenschaftliche Fachausbildung. Aber fast niemals wird diese zu einem wirklichen Erleben der Wissenschaft. Gerade diese Dinge, die den jungen Menschen am meisten reizen, werden ihm nicht zum inneren Erleben, bleiben ihm ein Fremdkörper, den er widerstrebend in sich aufnehmen muß. Der schwerste Vorwurf, den man gegen die Schule machen kaiin, ist, daß der Schüler morgens

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.