Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 11 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 340 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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verlaufen werde: daß sie im Schöße der katholischen Kirche enden könnte. Hier scheint aber der Instinkt dieser Kirche — in Deutschland durch das Zentrum vertreten — versagt zu haben. Die katholische Kirche hat sich uns nicht von ihrer religiösen Seite gezeigt. Sie hat sich uns bei diesem Zusammenstoß durchaus nicht religiös geoffenbart; nicht einmal ihre stilvollen Formen, die leicht faszinierend wirken, hat sie uns entdeckt. Wir haben sie als politische Macht von ihrer weltlichen Seite kennen gelernt. Wir haben den christlichen Dualismus zwischen Geist und Körper in seiner ganzen Tragik erfahren: der Geist ist stark, aber der Körper schwach. Der katholische Geist könnte vielleicht auch in der freideutschen Jugend glaubenerweckend wirken. Die kirchlichweltliche Macht aber erstickt ihn im Keime. Bis man sich durch ihren irdischen Körper durchgerungen hat, durch all ihre Intoleranz und Parteipolitik, ist man religiös impotent geworden. Wir haben am eigenen Leibe den Gegensatz zwischen christlicher Moral und der Lebenspraxis ihrer offiziellen Vertreter erfahren. Und das irreligiöse Produkt in seiner ganzen Häßlichkeit gesehen, das durch die Verwendung einer religiösen Schablone zu parteipolitischen Zwecken entsteht. Darüber kann kein Zweifel bestehen: hätte die katholische Kirche die Macht wie im Mittelalter, sie würde jeden einzelnen von uns auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen, denn gerade sie liebt es, Geist nicht mit Geist zu bekämpfen — sondern mit dem Ketzergericht. Und auch gegen uns ruft sie bereits die Macht des Staates herbei. Was für Gefahren für den freideutschen Geist eine rörnischgeistliche Fremdherrschaft bedeutet, das ist wohl der freideutschen Jugend in den letzten Wochen zum Problem geworden. Und sie wird vielleicht die Frage bereits aufgeworfen haben, inwieweit sie sich mit dieser geistigen, durch politische Machtmittel gestützten Fremdherrschaft im deutschen Reiche abfinden kann, oder ob nicht vielleicht der vereinigende Zusammenschluß, der Kampf gegen die Degradation religiöser Ideen zu politischen Mitteln, zu politischer t-nterdrückung anderer geistiger Werte die vereinigenden Bande der freideutschen Jugend werden wird. Hydra 340