Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 11 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 335 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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„Sehen Sie nur zu, daß nicht jeder Geist von Ihnen vferne bleibt!" rief ihm Wyneken nachher in der Diskussion zu. Als tatsächliche Berichtigung entgegnete dann der offizielle Vertreter des Vortrupps, er selbst stehe auf Seite der Ideen Wynekens, sympathisiere auch mit dem „Anfang" und glaube auch, daß der „Vortrupp" zu wenig Geist in sich hätte. (Lauter und heiterer Beifall.) \ Der Bund Deutscher Wanderer sei politisch und religiös völlig neutral; Kampf gegen Schule und Elternhaus, Religion und Staat liege ihm völlig ferne. Er fördere weder destruktive noch libertinistische Erziehungsbestrebungen. Die Diskussion eröffnete Wyneken, der einzige, dem von vornherein mehr als zehn Minuten Redezeit zugestanden wurde. Leicht war es ihm, die im „Bayr. Kurier" und der anonymen Broschüre erhobenen Vorwürfe der Geheimbündelei zurückzuweisen. Im übrigen nahm er sich gar nicht die Mühe, die perfide, mit Fälschungen und Entstellungen gefüllte Broschüre und die entsprechenden Angriffe Schlittenbauers zu widerlegen. Die „Jugendkulturbewegung" sei keine einheitliche Bewegung, noch weniger die Freideutsche Jugendbewegung. Seine Lebensaufgabe sei die Neufundierung der Schule, die dadurch aus der Anarchie der Gegenwart für die Kultur gerettet werden würde. Seine Tat die Verwirklichung der Idee in der Freien Schulgemeinde Wickersdorf. Den „Anfang" habe sich die Jugend ohne seine Beteiligung geschaffen; er halte überhaupt eine Zeitschrift nicht für die natürliche Tribüne der Jugend. Aber anormale Zeiten verlangen anormale Mittel. Und so habe er sich entschlossen, die preßgesetzliche Verantwortung für den „Anfang"' zu übernehmen, damit die Jugend irgendwo unbevormundet zu Worte käme. Mit den einzelnen Aufsätzen könne er sich schon deshalb nicht identifizieren, weil sie häufig Entgegengesetztes enthielten. Aber damit der angesammelte Groll der Jugend nicht zu geistiger Selbstvergiftung führe, sei irgendwo eine Abreagierung, eine Aussprache notwendig. Die Jugend erziehe sich gerade durch den Ernst der Aussprache zu Selbstkritik und höherem Verantwortlichkeitsgefühl. Nicht gegen die Schule kämpfe die Jugend, sondern gegen deren Mißbrauch und Verwahrlosung. Die Existenz des „Wandervogels" hätte bewiesen, daß die Jugend heute in der Familie nicht mehr völlig die Möglichkeit einer jugendgemäßen Lebensführung fände. Im „Anfang" werde nicht sittlicher Laxheit, sondern gerade dem Gegenteile davon das Wort geredet. Die Äußerungen über jugendliche Erotik, die bisher im „Anfang" standen, verwerfen gerade die bisherige Praxis der großstädtischen Jugend, die sich schnell und kritiklos in die sexuelle Unkultur der Erwachsenen einzuleben trachte. Der bessere Teil der Jugend sehne sich nach einem neuen, höheren, natürlicheren, reineren, kameradschaftlicheren Verhältnisse der Geschlechter.