Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 11 (März 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 333 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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eigenen Werte in die Kultur der Gegenwart und der nächsten Zukunft Man wollte nicht mehr die Zerrissenheit der Jugend, den Zwang der Vor-Matura-Zeit und die bedenkliche Freiheit der Nach-Matura-Zeit. Diese Kluft soll überbrückt werden. Die Schuljugend und die akdemische Jugend reichen sich die Hände und schaffen eine neue Kameradschaft und Hilfsgemeinschaft.*) Man wollte sich ernst nehmen und ernst genommen werden; das Leben der Jugend nicht mehr durch die Erwachsenen gestalten lassen, sondern es aus eigener Bestimmung und innerer Wahrhaftigkeit selber formen. Bis zum Ende des IQ. Jahrhunderts wären die Menschen durch Technik, Weltwirtschaft und Geschäft gezwungen gewesen, von außen nach innen zu leben, was ein elendes Leben sei. Die neue Generation wolle aber da nicht mehr mitgehen, sondern von innen nach außen leben; sie kann es, weil sie glücklicherweise nicht so viel äußerliche Aufgaben hat. Kein Zweifel, daß in diesem Streben die Jugend mit den bisherigen Fragen der Erziehung in scharfe Berührung kommen müßte; daß die neuen Grundsätze stürmisch Einlaß in die Schule verlangten; daß gerade in der Schule die Selbstverantwortlichkeit der Jugend zum Ausdruck kommen müßte. Dann würde die Schule auch von der Jugend geliebt werden können, ist das Revolution? fragte Weber und verneinte es. Wyneken — sagte er fortfahrend — sei nun derjenige gewesen, der die Jugend auf den Umbau der Schule gewiesen habe, der die Jugend aus ihrer Schulfeindlichkeit zu neuen positiven Auffassungen über die Kulturbedeutung der Schule geführt habe. Allerdings müßte die Schule dem Sinn und Wesen der Jugend gemäß gänzlich umgestaltet werden. Ziel hierfür sei die Freie Schulgemeinde. Aus dem Streben der Jugend, die Schule in den Dienst des Kulturgeistes zu stellen, sich selbst aber als wertvoller Bestandteil in das Leben der geistigen Gemeinschaft einzugliedern, sei die „Jugendkultur" entstanden. Man müsse dankbar sein, auch der Kultusminister, daß die Jugend sich selbst so ernste Aufgaben gestellt habe. Durch zehnjährige *) Um einen Begriff zu geben von der Tiefgründigkeit der erzieherischen Einsicht bei unseren Gegnern, führen wir hier an, was in der klerikalen „Allg. Rundschau" (Xf, 8) ein Geist!. Rat Prof. Dr. Hoffmann gegen Prof. Weber geltend machte: „Wir wissen nicht, wie weit Professor Weber die Wirklichkeit an unseren Mittelschulen kennt; »schrankenlose' Unfreiheit und Unselbständigkeit an diesen ist jedenfalls ein Märchen aus uralter Zeit. Wir kennen 21 Vereine mit Namen, viele davon näher, in denen Mittelschüler zu Vergnügungen und Dilettantenarbeiten ungezwungen vereinigt sind. Den Verkehr der jungen Studenten namentlich in größeren Städten ist derart frei, daß im Interesse des Studiums eher Bedenken über das Zuviel entstehen könnten. Tanzstunden und offizieller Ball für die oberste Klasse fehlen nicht Doch dieses ist offenkundig und nimmt den Weberschen Ausführungen die Voraussetzung."