Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Schülerinnen ein wenig vorbereiten und dabei darauf zu sprechen kommen, daß sie zahlreiche nackte Körper sehen würden. Zunächst errötet sie pflichtgemäß und weiß nicht, wie sie sich ausdrücken soll. Nach einigem Stottern sagt sie: „Na, ich brauche es wohl nicht weiter zu sagen. Sie werden doch alle schon 'mal Brüderchen in der Badewanne gesehen haben."-- Mehr Gegenwart! Ton Marthamaria GehrJce, Frankfurt a. M. Als der große Mann starb, stand er noch nicht ganz auf seines Ruhmes Höhe. Immerhin war er bekannt genug, und die Nekrologe schwankten zwischen zwei Spalten in den kleineren und vier Spalten in den bedeutenderen Tagesblättern. Es kam dazu, daß der Tote ein liebenswürdiger und witziger Mensch gewesen war, und seine Freunde glaubten seinen feinen Humor, seine gelegentlichen Aussprüche und die lustige Herzlichkeit seiner freundschaftlichen Privatgespräche der Menschheit nicht vorenthalten zu dürfen. So wimmelten die Zeitungen der nächsten Wochen von Feuilletons: „Anekdotisches aus X.Y.'s Leben", „X.Y. der Student", „X.Y. und der Reichstag", und so weiter bis ins Unendliche. Die Redakteure nahmen gern diese Beiträge, ohne zu wissen, daß sie bald noch sehr viel mit X.Y. zu tun bekommen würden. Denn nach wenigen Wochen bereits teilte der beste Freund des Toten der Welt mit, daß Frau X.Y. ihm den schriftstellerischen Nachlaß ihres Gatten zur Verfügung gestellt, und daß er darunter ein fast vollendetes Drama entdeckt habe, dem nichts fehle als einige unwichtige Szenen des dritten Aktes. In der Folge wurde dies Drama ein Reißer, es beherrschte den Spielplan einer Saison. Aber über das Werk, seine Entstehung, seinem auf Selbsterlebtem fußenden Grundlagen wurden Bände geschrieben; jetzt stand X.Y. auf seines Ruhmes Höhe. Natürlich war das Drama durchaus nicht das Beste von seinen Arbeiten. Im Laufe der nächsten zehn Jahre gaben der Freund und der älteste Sohn des großen Mannes seinen Briefwechsel und seine gesammelten Tagebücher heraus, zwei Biographien er- 275