Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 9 (Januar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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nichts gilt; bei ihm kommt erst die Schule, dann das Elternhaus. Jeder hat sich damit zufrieden zu geben. Paßt das jemandem nicht, so weiß man ihn damit zu zwingen, daß man die Schüler einfach von der Schule jagt. Man weiß ja zu genau, daß sich das die Eltern doch zweimal überlegen werden, denn das Schulgeld für Eintritt in eine freie Schulgemeinde hat noch nicht jedermann. Wir sind an solche Eingriffe der Schule in das Privatleben ja so gewöhnt, daß uns gar nicht mehr in den Sinn kommt, wie moralisch unberechtigt, wie sehr im Widerspruch zu modernem Rechtsempfinden sie sind. Was geht diese Schule, die mit dem wirklichen Leben ihrer Schüler so gar nicht verwachsen ist, die es so durchaus ablehnt, für dies Leben zu sorgen und die Verantwortung zu übernehmen — was geht sie eigentlich das Tun und Treiben der Schüler außerhalb der Schule überhaupt an, wenn es mit Wissen und unter Billigung der Eltern geschieht? Freilich sollte auch von den Eltern erwartet werden, daß sie für ihr Recht und das Wohl ihrer Kinder energisch kämpften. Einem gemeinsamen Protest von Hunderten ist schließlich doch ein Schuldirektor nicht gewachsen. Jener Schuldirektor hat auch noch verraten, daß sich demnächst eine rheinische Direktorenkonferenz unter anderem mit der Frage „Wandervogel" befassen werde, allein ein ganzer Tag soll der Frage gewidmet sein, ob der Wandervogel oder ähnliche Bestrebungen einwandfrei seien oder nicht, ob solche Bewegungen verboten oder erlaubt werden sollen und ob es nicht das beste sei, wenn die Schule die Leitung übernähme. Das kann ja schön werden! Glücklicherweise gibt es aber auch noch andersdenkende Schuldirektoren im Rheinland als die, mit denen das ohnehin etwas rückständige Aachen beglückt ist. Was schert uns aber auch alles Beschließen einer Direktorenkonferenz, was geht das die freideutsche Jugend und den Wandervogel an? Was lassen sich denn junge Deutsche verbieten, wenn ihnen ihr Herz, jede Faser ihres unverdorbenen Wesens recht gibt? „Die freideutsche Jugend will aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, mit innerer Wahrhaftigkeit ihr Leben gestalten." Man hat gesagt, das sei Phrase. Nun, ob es Phrase ist oder nicht — das wird von uns abhängen. 273