Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 251 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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tischet* Gesinnung des einzelnen war ein gut funktionierendes Erkundungssystem eingerichtet. Verkehr mit Kollegen und Professoren: Freundschaften unter den Zöglingen waren selten, politische Raufereien verbitterten die Gemüter so sehr, daß sich die Oktava zur Matura nicht zusammen photographieren lassen wollte. Der gegenseitige Verkehrston war äußerst roh, der Haß gegen die Professoren so groß, daß uns der Direktor bat, dieselben nach der Matura noch zu grüßen. — Ein Sextaner (= Sekundaner) beging Selbstmord. Ich könnte noch manches Merkwürdige berichten, doch glaube ich, das System genügend belichtet zu haben. Auch entspringen meine Zeilen keinem persönlichen Vergeltungswunsch, sondern nur der Hoffnung, einigen meiner Jugendgenossen diese unangenehmen Jahre ersparen zu können. med. L. S.t Wien. Nachschrift der Redkaktion. Weitere Mitteilungen aus Internatsschulen sind uns willkommen. Die erste studentisch-pädagogische Tagung in Breslau 6.—7. Oktober 1913. Wir dürfen mit dem Verlauf dieser Tagung durchaus zufrieden sein. Das Wesentliche ist dabei nicht, daß die pädagogischen Gruppen aller Universitäten von nun an eine gemeinsame Geschäftsstelle haben und ihre Vertreter sich alljährlich zu einer gründlichen Aussprache treffen werden, und auch darauf ist nicht das größte Gewicht zu legen, daß der „Anfang" im Mittelpunkt der Diskussion stand und viele neue Freunde gefunden hat. — Daß jeder Freund der Freiburger Richtung an diesem Tag aus der ungeahnten Werbekraft seiner Ideen die sichere Überzeugung gewann, daß der Idee der Jugendkultur, der freien Schulgemeinde und des „Anfang" die nächste Zukunft gehört, und daß er daraus auf lange Kampfesmut schöpfen wird, deute ich ebenfalls nur an. Das wesentlich Neue, der Wechsel auf die Zukunft, war, daß man mit uns diskutierte. Man: hohe Verwaltungsbeamte, Universitäts- und Gymnasiallehrer mit uns, den Studenten, die sich ausdrücklich als Vertreter der Schuljugend bezeichnet hatten. Es war so etwas, wie der erste Anfang eines konstitutionellen Zustandes im Erziehungswesen. Es war vom „Anfang" die" Rede, von der Erziehung im Elternhaus, von der Schule und vom Verkehr der Geschlechter untereinander. Die Verhandlungen des Tages werden nächstens bei B. G. Teubner im Druck erscheinen. Wir notieren hier nur die Tatsache einer öffentlichen Aussprache der Vertreter der Schülerschaft und des bestehenden Systems. Noch eins verdient angemerkt zu werden. Vielleicht ist der Unterschied zwischen der Breslauer und Freiburger Richtung weniger ein prinzipieller Gegensatz der Gruppen wie man bisher meinen mußte, sondern eher ein Unterschied des Ideals bei den einzelnen. Die einen bejahen das gegenwärtige Erziehungswesen — freudig oder als nötiges Übel — und wünschen 251