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Der Anfang · 1913-12-01 · Heft 8 (Dezember 1913) · p. Seite 250

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 8 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 250 (sequence 26)
Language
German
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Verkehrs noch einem der beiden Teile auffiel. Ich wer^e r£l$o nur kurze Begebenheiten aus der Erinnerung vorbringen, die sich der tinbefangene Leser selbst kommentieren möchte. Tageseinteilung: Man stand um ZU6 auf, machte Toilette und betete. Dann gab's Frühstück: Kaffee und eine Semmel, hierauf wurden die Zöglinge in den Studiersaal geführt, wo man sich von V«7—V28 für die Schule vorbereiten sollte. Um 8 Uhr ging man ins Gymnasium, kam um 12 Uhr zurück, Studium von 12—1. Dann schellte die Glocke zum Mittagessen: Gebet, Suppe, Fleisch mit Gemüsen, Gebet. Zweimal wöchentlich gab's Mehlspeise. Von 7*3—4 wieder Studium. Um 4 Uhr wurden nach der Pause die ersten sieben Klassen vom Turnlehrer paarweise 1V2 Stunden spazieren geführt, der sogenannte »Viehtrieb «. Von 6—l/a8 Uhr wieder Studium, dann Gebet, Nachtmahl, um 9 Uhr Schlafengehen. Doch herrschte im Schlafsaai gewöhnlich so ein Lärm, daß die eigentliche Schlafenszeit auf 5 Stunden gekürzt war. Die 5 Stunden Studium wurden großenteils mit »Blödeln«, Schlafen oder heimlichen Hazardspielen ausgefüllt. Disziplinarvorschriften: Verboten war das Tragen von Stöcken, Abzeichen, Zeitunglesen usw. Dem Obergymnasium war das Rauchen außerhalb der Studiumzeit gestattet. Für größere Vergehen gab's »Karzer«: Der Delinquent wurde (oft mit Brachialgewalt) in ein Kellerlokal geschafft. Seine Bedürfnisse mußte er in die Ventilation absolvieren, weswegen der Raum gewöhnlich mit üblem Geruch geschwängert war. Kleinere Sünden wurden im Untergymnasium mit Ohrfeigen bestraft, Auseinandersetzungen mit einem »Halten Sö's Maul« abgelehnt. Geschlechtsleben: Verkehr oder Korrespondenz mit weiblichen Wesen war streng verboten. Es wurde viel und manchmal öffentlich »geheimen Lastern« gefröhnt, so daß der Rektor die Besitzer allzu verräterischer Leintücher mit Ausschluß bedrohte. Vor 4 Jahren wurde ein Zögling wegen Päderastie entfernt. Vergnügungen:.Samstag von 2—7 Uhr war den zwei obersten Klassen der Besuch zweier Wirtshäuser gestattet, ebenso im Fasching die Teünahme an zwei klerikalen Bällen, die Teilnehmer kamen fast alle betrunken zurück. Am Nikolotag gab's im Konvikt Haustheater mit Bier unter Beteiligung des Lehrkörpers. Die den Professoren überreichten Geschenke, Biere und Zigarren wurden den Zöglingen auf Rechnung gestellt. Politische Einflüsse: Der Rektor fiel als klerikaler Kandidat in Leitmeritz durch. Von Zeitungen war nur »Die Reichspost« gestattet. In der Bibliothek befand sich z. B. ein Pamphlet eines gegewissen Dennert gegen Häckel, während dieser selbst nach dem Index verpönt war. Als einige Zöglinge unter sich eine angeblich deutschnationale Versammlung abhielten, wurden am nächsten Tage zwei Klassen von einem Professor vom Katheder aus als »Schufte und politische Lausbuben« gekennzeichnet. Zur Eruierung der poli- 250

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