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Der Anfang · 1913-11-01 · Heft 7 (November 1913) · p. Seite 211

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 7 (November 1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 211 (sequence 19)
Language
German
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ihr mit schlichtem Ernst, so maaht ihr euch zu Trägern wahren Menschentums. Da gewann ich die Hoffnung wieder. Ein neues Menschenrnaterial wächst heran und wird viele Träume zur Wahrheit machen; nicht mehr auf Sand gebaut ist unser Wollen. Die Stimme der Jugend, an die man geglaubt, die man geahnt und erhofft halte, sie hat sieh verdichtet zur Wirklichkeit, sie ist grcil'hai geworden. Tatsachen beweisen. Sie lassen sich nicht mehr foi-(leugnen und erzwingen sich Beachtung und ~- — Achtung! dafür sorgt ihr, meine Freunde! Ihr zeigt, daß die „Flegeljahre", die „Backfischzeit" nicht das Wesen eurer Jahre zum Ausdruck bringt. Der „Anfang" hebt seine mahnende Stimme und ruft den Erwachsenen zu: Wir stehen in den Geburtswehen unserer Seele. Vergeblich harrten wir auf Eure Hilfe. Da halfen wir uns selbst. Ihr „Reifen", Ihr „Abgeklärten", nicht unreif sind wir in Eurem Sinne; nur feuriger. Nicht mehr könnt Ihr sprechen von einem „reifen" Idealismus späterer Jahre, den auch Ihr mitunter notgedrungen bei älteren Menschen anerkennen müßt. Aug' in Auge reden wir eine gerade Sprache und fordern Euch auf: Zeigt uns den Unterschied! Und wenn Ihr verstummt und die Antwort nicht findet, wollen wir sie Euch geben: Es ist keiner da! Jene Männer und Frauen, die sich ihren Idealismus erhalten haben, sind einig mit uns in der Ablehnung der Erkenntnis, die Balzac in die bitteren Worte kleidet: „Lrfahrumrcii machen, d. h. in der zweiten Hälfte des Lebens das wieder abmühen, was man in der ersten gehegt." Was uns dennoch von jenen starken Menschen unterscheidet, hat keine Berührungspunkte mit Euch. Es gibt Reife und Unreife, es gibt Klarheit und Ungeklärtheit, wer von uns wollte es leugnen! Das ist ja selbstverständlich! Aber der Weg zur Reife führt nicht zur Ver/iehtlcistuiig auf Wahrheitssuchen und heiliges Wollen. Nur dem strebenden Menschen begegnet der Irrtum, nur ihn lockt die Wahrheit, beides sind Geschwister. Aber Ihr steht jenseits von Wahrheit und Irrtum. Ihr könnt nicht irren, aber Ihr werdet auch nie die Wahrheit finden. Ihr seid unfruchtbar. Und widerlich klingt in eurem Munde der Satz, den Ihr manchmal auf der Lippe habt, um Euer Gesicht zu rechtfertigen. Dann sagt Ihr wohl mit Behäbigkeit das Wort: Sich selbst bezwingen ist der schwerste Sieg, und findet noch Genugtuung darin, daß es Euch sehr schwer geworden, Euch aufzugeben. So ziehet Ihr edle Gedanken in den Schmutz Eurer Oesinnung. Und ein anderer Vorwurf traf uns von jeher, besonders von Seiten der Litern. Wenn Ihr durch Eure Schuld Euch uns, uns Fuch entfremdet haltet, wenn wir unseren eigenen Weg gehen mullteii und unsere Ideale vertraten lärmend vielleicht, gereizt iliireh I ure Verständnislnsigkeit , dann sprächet Ihr von Respektlosigkeit und Undank. Wie wenig kanntet Ihr die Seele 211

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