Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 7 (November 1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 206 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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einer gesunden Geselligkeit eine Erotik entwickeln wird, von der man zwar Einzelheiten nicht voraussehen kann, der man aber eines schon jetzt als sicher zuschreiben darf: eine wohltuende Ehrlichkeit. Dabei will ich's für heute bewenden lassen. Die Jugendkultur des „Anfangs" und die weibliche J ugen d. Der „Anfang" ist eine Tribüne der Jugend, die bewußterweise auf der Suche nach einer Jugendkultur ist. Eine Hauptrichtlinie für dies Suchen ist aber die Forderung: Eine gesunde Jugendkultur muß sich auf beide Geschlechter erstrecken, muß beide vereinen. Jede Lösung, die dem nicht entspricht, ist keine Jugendkultur, ist eine unglückliche Halbheit. An dieser Klippe ist der Wandervogel gescheitert, der als Jugendkultur erledigt ist, wenn er auch wertvolle Beiträge dazu geleistet hat (er ist jetzt wesentlich als Gelegenheit zu körperlicher Betätigung zu werten). Die theoretische Erotik des Zupfgeigenhansels hat auf die Dauer nicht genügt. Der „Appell an die Mädel" (Nr. 4) fordert zur Richtigstellung geradezu heraus. Es ist nämlich falsch, zu sagen: Das Hauptziel des „Anfangs" ist: Verbesserung der Schule. Es handelt sich vielmehr um eine Jugendkultur, und das ist ein umfassender Begriff, der weit über den Rahmen der Schule hinausgeht (wenn man nicht das System der „Freien Schulgemeinde" als alleinberechtigt anerkennen will, das eine Jugendkultur aus einem neuen Schulgemeinschaftsleben entwickelt). Und von dieser Seite muß die weibliche Jugend für unsere Bestrebungen gewonnen werden. Schulnöte in unserem Sinne gibt es auf der anderen Seite ja gar nicht, dazu wird die Schule viel zu wenig ernst genommen. Der weiblichen Jugend muß erst gezeigt werden, was für sie auf dem Spiele steht, dann wird sie ganz sicher auf unsrer Seite sein. Eine Mahnung an den „Anfang": Der resignierende Zug, den man aus den bisherigen Heften des „Anfangs" herauslesen kann: wenn die weibliche Jugend nicht mittut, dann machen wir's alleine, der muß verschwinden. Ich warne davor, sozusagen einen „Männerstaat" aufzurichten. Daß diese Grundfrage ungelöst bleibt, ist ja ein Hauptmangel des heutigen Zustandes. Die traurigen Folgen sind bekannt. An ihren faulen Früchten drückt sich die jetzige Erziehung mit schlechtem Gewissen vor- 206