Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 7 (November 1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 205 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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bleiben", wenn sie sich sagen müssen, daß mit der Leiden* schaft noch verschiedenes andere flöten gehen wird, und am guter Letzt unter ihrer Liebe Kochkünste und Knopfannähtalente verstanden werden. — Wir Studiker und Gesinnungsgenossen nähen uns aber bekanntlich Knöppe selber an und verstehen auch wohl mit Maggis Bouillonwürfeln zu operieren. „Praktische" Gesichtspunkte bei Beurteilung des andern Geschlechts fallen für uns also weg. Wir haben auch gar keine Lust, in jeder Vertreterin von vornherein ein Stück Weiberfleisch zu sehen. Wir wollen eine verstehende Kameradin als natürliche Ergänzung, eine Kameradin, die uns ebenbürtig zur Seite tritt. Wie steht's mit solchen Wünschen in der Praxis? — Nun, die Tatsache ist sehr ernst: der junge Mann mit menschlichen, intellektuellen und seelischen Interessen steht sexuell (im weitesten Sinne gemeint) allein. Und das ist eine triihe Einsamkeit. Gibt es auch schon Kameradinnen, die das verstehen? Die Grundlage der neuen Geselligkeit. Wir wollen erreichen: „ein positives Verhältnis beider Geschlechter zueinander", das der „Kameradschaft", und diese „hat zur Voraussetzung das Leben in einer gemeinsamen geistigen Welt, das Sich-gcbunden-Wissen an eine gemeinsame Lebensaufgabe * (Wyneken a. a. O. S. 48). Wir wollen das erreichen, müssen das erreichen und fordern es als unser gutes Recht. Wir fordern es nicht nur im Interesse der männlichen Jugend, sondern wir fühlen uns ebensosehr als Vertreter unserer zukünftigen Kameradinnen, die noch nicht in gleichem Maße zum Kampf gerüstet sind. Wir verzichten darauf, die geistige Welt als unser ureigenstes Bereich zu betrachten, und sehnen uns danach, mit Kameradinnen in dieser Welt Gebiete zu entdecken, von denen sich gewisse Leute nichts träumen lassen wollen. Nur ahnen können auch wir, welch reiche Möglichkeiten vorliegen, was für neue Gesichtspunkte und unbekannte Seiten menschlichen Erlebens sich erschließen werden. Die Erotik in der neuen Geselligkeit. Es gibt vielleicht Leute, die es bedenklich finden, daß für die Erotik in dieser neuen Geselligkeit gar kein Raum ist. Das scheint aber nur so, denn man darf hoffen, daß sich auf dem Boden 205