Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 185 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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gate heroischer Lebensform, Surrogate, die allerdings in ihrer povern Inhaltslosigkeit zur lächerlichen Karikatur geworden sind. Die zweite Form der Entartung des heroischen Triebes ist der neue Persänlichkeitskult Er prägt sich besonders stark bei den sozial gebundenen und aufgeklärten Kreisen des modernen Bürgertums aus. Der junge Durchschnittsmensch aus diesen Kreisen macht eine Schule durch, die nur für eine Handvoll dürftiger Begabungen Verständnis hat und alle anderen höheren Fähigkeiten als „gefährliche Eigenschaften" verdächtigt. Hinter der Schule wartet seiner der künftige Beruf, der fast ebenso wenig Aussiebt auf Lebensentfaltung und Lebensbereicherung gewährt. Der junge Mensch fühlt sich dazu verdammt, sein Lebenspensum im Dunkeln durchzukauen; um diese sinnlose Existenz ertragen zu können, bleibt ihm nichts anderes übrig, als Sinn und Schwerpunkt des Lebens in die eigene Person zu legen. Der „mittelmäßige unproduktive Mensch" kann sich nur dann zu einem nützlichen Olied der Menschheit aufarbeiten, wenn er stich als Teil einem Ganzen einordnet, das einem1 .höheren Ziele zustrebt. Das Mitlaufen aber auf einem tristen und engen Platze in einer Heide, die sich im Kreise dreht, und deren Bewegungen sinnlos erscheinen, muß jeden demoralisieren. — So werfen sich! die klassischen Tugenden der Jugend auf die eigene Person. Sie entarten in Selbstbetraditung und Selbstbefriedigung. Das sind die Gründe dieser Erscheinung. Trotzdem mutet der Irrtum einfach lächerlich an, den Ausdruck eines inneren Motives für das Motiv selbst zu nehmen, und die Ausdrudksformi zu pflegen, im Glauben, sie stelle das IMotiv selbst dar. Wie oft geschieht nicht dieser Selbstbetrug unter der Firma des neu-bürgerlichen Persönlichkeits-Kults! Muß da nicht ein Geschlecht heranwachsen von hohlen, aufgeblasenen, oberflächlichen und selbstsüchtigen Poseurs, Clowns, die sich gerade in ihrer phantasielosen Schauspielerei so höchst uniform gebärden? Andere innerliche Werte sind ihnen vielleicht (vielleicht!) abhanden gekommen, aber jener Charakter Ist ihnen allen gemein. Das ist die traurige Komik des PersönEchkeitshelden. Wyneken erklärt die Entwicklung des PersonKchkeitsideab historisch: es ist entstanden durch die Emanzipation des einzelnen Individuums (als Geistesträger) von der starren sozialen Gruppe; es 185