Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 6 (Oktober 1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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die Schaffenden leiden, davon müssen sie künden, und nichts kann besser die innere Reinheit der Jugend beweisen, als die Wollust, mit der sie verkündet, datt Sumpf Sumpf sei. Sie lebt ja nicht behaglich in ihm wjc die Alten, sondern weil sie ihn überwinden muß; sie weiß, sie muß hindurch, aber der Weg ist Qual und bittere Not für sie. Das entfesselte Triebleben des Protestes lastet über cer ganzen reinen, geistigen Jugend, aber es sind nur die Vorkämpfer, die direkt in ihm stehen. Es braucht nicljt jeder in die Hoile hinabzusteigen, um sie zu erleben, das Schreien dierer, die < - erleben müssen, dringt den andern, die da fühlen können, ins Herz, und verbrüdert sie den Gefolterten. Gewiß sind es viel schwache Naturen, ja oft an sich Verzweifelnde, die sich ganz in das Triebleben stürzen, iaber ihr Sdhicksal ist ein typisches, und wir erklären uns mit ihnen solidarisch; es hätte uns unter ein wenig ungünstigeren Verhältnissen, mit etwas geringerer Widerstandskraft oder etwas stärkerem Lebensdrang auch so gehen können, und niemand darf sich auf die Brust schlagen und rufen: „Hab* Dank, dal) ich nicht bin wie diese!" Eine Ehrensache ist es aber auch für uns, die Glücklicheren, das Triebleben anzuerkennen. Wir alle, deren bewußtes Streben es ist, an der Kultur mitzuarbeiten, wir empfinden instinktiv, daß wir* das Triebleben als solches nicht verleugnen dürfen, auch wenn es noch nicht Bestandteil der Kultur ist. Auf keinem der Gebiete, die unser Leben angehen, lassen wir der Barbarei, dem Chaos so viel Raum als auf diesem, eben weil wir fühlen: hier gilt es vor allem1 einen Protest, hier gilt es die prinzipielle Anerkennung eines wesentlichsten Lebensgebietes, hier geht es noch um die Behauptung eines Gebietes, in zweiter Linie erst um seine Gestaltung. Darum sind wir so unentwegt positiv, wo es um jugendliche Erotik geht, sp frei von Bedenken, so skrupellos; wir^übernehmen die Erotik mit talle.ni Drum und Dran an Unkultur fti Bausch und Bogen, und wer da nicht mitgeht, verfällt der Mißachtung als ein Quietist, ein Totschweiger, ein Feigling, ein Krüippel. Wir veranstalten Winters und Sommers unsere Feste, die nur von uns und für uns sind, wir machen d£n Tanz deutlidi erotisch, wir flirten und lieben, wo wir nur können. Wir luberstürzen uns in Veranstaltungen und schaffen fortwährend neue Gelegenheiten zur erotischen Geselligkeit der Jugend". Und' weil wir deutlidi; fühlen, es geht hier um das Prinzip, 167