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Der Anfang · 1913-10-01 · Heft 6 (Oktober 1913) · p. Seite 166

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Journal
Der Anfang
Volume
1. Jahr (1913-1914)
Issue
Heft 6 (Oktober 1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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Jugendliche Erotik Von Herbert Blumen t ha! Wir sind verkatert Kein Zweifel, daß wir innerlich müde sind der läuten und grellen Betonung unseres Trieblebens. Eines Tages machte die Jugend die Entdeckung, daß sie ein großes, reiches, gewaltiges Triebleben besaß, das in der OeFleiitlichkeit vom Phvlisterium tot geschwiegen wurde. Gefühlt zwar, betätigt hatte sie es schon immer, das Neue war die bewußte und laute Anerkennung von Seiten der geistigen, der empörerischen Jugend. Lange war sieden Geboten der „Moral" gefolgt, halle /u imterdriwkcii versucht, was uidil zu unterdrücken war und mußte also ihre 1 riebe durch Heimlichkeit, durch verstecktes und verbotenes Linn schünden. Die Großstadtjugend endlich war es, die den Mut zum Protest fand; sie war in allen Stücken freier, sie ließ sich nicht länger unterdrücken und schrie dem Philister die Wahrheit ins Gesicht, wie stark und gesund, wie unzerstörbar ihr Triebleben sei. Nachdrücklich und mit Protest stürzte sie sidj in seinen Strudel, ohne mehr den geringsten Hehl daraus zu machen; im Gegenteil, es ward zum betonten Moment jugendlichen Lebens; die Erotik wucherte und drohte, es ganz auszufüllen. Ja, dieses Extrem ist sdion eingetreten; sdion steht das Triebleben bei Gruppen der Großstadtjugend unumschränkt im Mittelpunkt des Daseins. Schon ist es zum Unbedingten geworden, zum absoluten Lebensinhalt. Dis zeigt die jüngste Großstadtkunst, die Lyrik, die Malerei mit Sidierheit an. Sie ist rein erotisch. Wir müssen ihr dankbar sein, denn sie schreit es der Welt ins Gesicht, wie unanständig, wie schamlos die Jugend durch ihre Unterdrückung werden mußte. Ihr, die ihr diesen Gebilden mit Entrüstung den Kunstwert labsprecht, und von ungesunder, wahnwitziger Einseitigkeit verdorbener junger Menschen sprecht, glaubt ihr denn, die grelle Herausairbeitung des einen Themas sei Zufall? Zufall, daß die Dirne, und immer wieder die Dirne der Punkt ist, um den unsere verzerrten Schöpfungen sich drehen? Seht ihr denn nicht, daß das alles Verzweiflungsschreie sind von solchen, die nach Erlösung dürsten? Daß die Jugend den Sumpf in den ihr sie hineingetrieben habt, mit herzbrechendem Ekel \mm:f wieder in ihren Aeußerungen hervorheben muß, weil sie unsäglich unter ihm leidet? Könnt ihr denn Symptome nicht deuten, meint ihr. es seien Possen, die die Jugend zu ihrer Belustigung treibt? .Worunter 166

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