Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 155 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Symphoniker nach Beethoven bezeichnete. Aber immerhin „nach Beethoven"! Was bleibt uns da noch zu hoffen? Das etwa mag bis heute die zwar nie ausgesprochene, aber ungeheuer stabile Gesinnung des Kunstphilisters sein. Und davon sollte es für uns keine Erlösung geben, für uns, die wir uns dochl die Erarbeitung von Wertmessern aus dem Wesen einer Sache zum Grundsatz gemacht haben? Nun, eine noch junge Bekanntschaft hat mir frohe Hoffnung, nein, hat mir Gewißheit gegeben, daft wir weder auf wahre Erkenntnis und tiefere Einsicht auch fürderhin verzichten müssen, noch daß unsere Zeit in ihrem musikalischen Schaffen zum bloßen Epigonentum verdammt ist. Wir Jungen haben A. Halm eine befreiende Tat zu danken. Sein Buch „Von zwei Kulturen der Musik" (Verlag Gg. Müller, München) ist zwar noch nicht die neue erhoffte Musikgeschichte, enthält aber einen kräftigen Vorstoß gegen das, was man bisher mit diesem Namen bezeichnete, und weist den Weg für die neue fruchtbare Arbeit. Sein Hauptwert besteht darin, daß es die musikalische Aesthetik auf eine gänzlich neue Basis stellt: treibende Kräfte sind hier entdeckt und wirkliche künstlerische Form- und Bewegungsgesetze, denen die Musik folgt und an deren Wirken der Wert eines Kunstwerkes sich1 mißt. Im ersten Teil des Buches werden Fugen- und Sonatenform als wirkende künstlerische Prinzipien einander gegenübergestellt; dieser Absdhnitt enthält auch eine Neuentdeckung Beethovens, eine endliche Reinigung seines Bildes von dem trüben Weihrauchdunst romantischer Gefühlsschwelgerei, womit begeisterte Verehrer und Interpreten ihm und seinem Werk so schlimme Dienste geleistei haben. Daran schließt sich als zweiter Teil eine Untersuchung über thematische Werte („Sprache und Stil"). Auf eine ausführlichere Inhaltsangabe verzichte ich. Lieber will ich über Wirkung und Erfolg des Buches ein Weniges prophezeien. Der Verfasser wünscht sich als Leser jene „lebhaft vordringenden Geister", von denen Goethe spricht. Ob er wohl bei der wohlweisen, so erwachsenen und fertigen Generation der „Persönlichkeiten" viele finden wird, die den Mut und die Kraft dazu aufbringen, auf den lieb gewordenen, behaglichen Genuß, auf das bequeme, verantwortungslose Urteilen zu verzichten und umzulernen, bescheidenes Hinnehmen gegen stolzes Erwerben, schwärmerische 155