Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 150 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Klassenspiegel Am 18. Juni 1913 ist in der Ober-Tertia eines Gymnasiums von Qroß-Berliin in einer vertretungsweise gegebenen Unterrichtsrstunde vom Lehrer aus einem Sherlock Holmes-Roman vorgelesen worden» Nicht etwa, um daran eine geschmackpädagogische Besprechung zu knüpfen, sondern lediglich, um die Zeit hinzubringen. Aus einem Mäddicngymnasiuin: In der Dcutschstunde soll das aufgerollte Bild der Laokoongruppe gezeigt werden. Die Lehrerin rollt es bis zur Hälfte ab und sagt dann: „Weiter brauchen Sie es nicht zu sehen." B. W. Klassenlehrer in Quarta läßt im Laufe der Stunde einen zu diesem Ehrenamt halbjährlich besonders zu ernennenden Schüler in bestimmten Zeitabständen „brüllen": „Gerade sitzen! Brust raus! Buch in beide Hände! Anlehnen! Das Vaterland ruft!" Mathematik in Ober-Quarta: Die Jungen bleiben vom Lintritt des Lehrers an so lange auf ihren Plätzen stehen, bis jeder von ihnen eine richtige Antwort gegeben hat. In der Selekta: Durch eine Ungeschicklichkeit grüßte ich einen Lehrer nicht. Es gab einen Tadel. Da es kurz vor dem Abgänge war, verdarb dies mein Zeugnis. Es gab Auseinandersetzungen zwischen dem Lehrer, dem Direktor und mir, in deren Vorlaut der Lehrer sagte: Sie haben ja gar nicht mich zu grüßen; Sie grüßen den Rock! Ein Lehrer, der, wenn wir erwachsenen Mädels ihn auf der Straße grüßen wollten, ostentativ nach der andern Seite sah. Man grüßte ja nicht ihn, sondern machte einen Bückling vor der hohen Obrigkeit. Oh! welche Lust, Soldat zu sein! Man hat das Wort „Turnhose" in der Höheren Mädchenschule nicht zu brauchen. Eine solche Unmoral bringt unbefangenen Kindern von zehn bis zwölf Jahren „eine Rüge im Betragen" ein. L. J. 150