Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 151 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Eine Religionsstunde Von D c i rn o s. Vorbemerkung: Der nachfolgende Bericht ist nach einem Stenogramm verfaßt, das während der betr. Lehrstunde aufgenommen wurde. ____Der Friede des Herrn sei mit uns allen. Amen!" „So, bitte, Ruhe jetzt! Hört doch einmal auf mit dem Stühlerücken! In den letzten Stunden haben wir über äußere und innere Mission geredet. Wir kämen also heute zum letzten Paragraphen unseres Lehrbuches: Kirchliche Dichtung und christliche Kunst. Cliristentum und Hutnanität.4' „Humanität von humanitas heißt Menschenfreundlichkeit Ja, was man heute nicht alles unter dem Deckmantel der Humanität treibt! Da ist ein gewisser Dr. Sch. Woher er seinen Doktor hat, weiß ich nicht; was das für ein Doktor ist, weiß auch niemand. Nun ja, es wird schon so einer sein. Auf jeden Fall besitzt der Kerl eine Einbildung, wie wenn er schon zehnmal Professor und zwanzigmal Universitätsprofessor wäre. Dieser verrüeikte, schamlose Mensch will in W. einen religionsfreien Moralunterricht gründen. Das ist ja gerade wie eine Suppe, die man ohne Stoff und ohne Feuer kocht. Wenn es keinen Gott gibt, wer hindert mich dann, daß ich raube und morde? Warum soll ich denn dann nach Moralregeln mich richten? Eine Autorität muß da sein. Ja, ich sage es ja immer, bei uns fehlt überall das Autoritätsprinzip. Das sieht man ganz genau an unseren Volksschulen. Die Volkssclmllehrer arbeiten bloß noch für ihre Besserstellung. Da hab ich kürzlich einen Witz gehört, der jedenfalls sehr gut erfunden ist. Wer sind die zufriedensten Menschen? Die Volksschullehrer; denn sie sind mit nichts zufrieden." Es folgen einijge Sätze aus dem Buch. Da taucht das Wort „Kunst" auf. Sofort beginnt der Herr Professor zu dozieren über moderne Kunst: „Heute haben wir überhaupt eine g'spaßige Kunst. Da spricht man immer von der Fortbildung unseres Volkes in der Kunst. Ja, wie kann denn unser Volk, wenn es den Simplizissimus oder die Jugend liest, einen Begriff von Kunst bekommen. Wenn man 151