Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 139 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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müsse. Und ich glaube ferner vor allem, daü man nicht dueth die Erregung1 eines begreiflichen Absehens der nur ein Zeichen von vererbtem Hyperästhetizismus sein kann, da uns die Natur hierin am unabänderlichsten entgegentritt, — die halb unJ halb noch kindlichen Illusionen zerstören hilft; denn dies geschieht schon durch das reine (iegrtiteil vom ()bengrsagten: daß man der Jugend mit geheimnisvoll andeutenden Lehren erst dann kommt, wenn sie schon im süß-seligen Irrgarten drinnen ist. Dann verhallt jedes Rufen ungehört — dann ist es zu spät. Und vollends, wenn sie zur Mitte des Irrgartens gekommen ist, wo der gefährliche tiefe Brunnen winkt, auf dessen Grund die nackte medusenäugige Wahrheit sinnt und viele Schwächlinge ins Verderben zieht, die nicht den schirmenden Schild mitbekamen---- Ich glaube das alles nur, ich will es nicht wissen, und niemand weiß, ob ic!h es könnte. Aber eines weiß ich gewiß: Jene anima Candida, um deren Besitz sich fast jede, im gewissen Sinne auefa die „verderbte" Jugend glücklich preisen kann, wäre würdig genug, stets mit der lautersten Wahrheit dann vermählt zu werden, wenn sie sie braucht, um anima Candida zu bleiben. Ja, nicht bloß ihre Würde, sondern sogar ihr Lebenswille berechtigen sie zur strikten Forderung, zur Forderung um die einzige Atmosphäre, in der sie überhaupt gedeihen kann. Wenn ich früher von dem Abscheu sprach, der durch die Offenbarungen des Mysteriums der Liebe erregt wird, so ist es bei der Verlogenheit unseres Zeitalters kaum angezeigt, darüber so rückhaltlos zu sprechen, um deutlich zu werden. Dieser Abscheu wird bei dem heutigen jugendlichen Kulturmenschen immer jntftreteh, weil ihm dieses gar niCht verabscheuenswürdtge Mysterium gewöhnlich als der erste Ernst des unbekannten Lebens entgegentritt vor manchem späteren, dessen wirkliche Verabscheuenswürdigkeit er kaum so merkt, wenn ihn die Kultur mit sich bringt (daheii die Stumpfheit gegen soziales Unrecht). Wir leiden eben an einer Entfremdung natürlicher Ursprün|glichkeit. Ich glaube dar her, daß man durCh allmähliches Rückerziehen der Jugend zu einem mehr ursprünglichen Fühlen in solchen Dingen erreichen müßte, daß sie nichts, aber schon gar nichts in der Natur irgendwie unschön fände. Es wäre dies ja keineswegs ein Rückschritt, son- 139