Der Anfang
- Journal
- Der Anfang
- Volume
- 1. Jahr (1913-1914)
- Issue
- Heft 5 (September 1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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erkennt, daß die Möglichkeit zu solchem Sinnenleben in ihr liegt; denn noch duldet die Zeit nicht seine Entfaltung. Hier liegt eine Kraft in der lugend verborgen, geeignet, eine Kultur von Grund auf umzugestaiten. Folgt die Jugend der Konvention, ist sie bereit, ihre Triebe als negativ anzusehen, und.so nur möglichst geheim und ohne zu schaden zu betätigen, so ist diese Kraft ihr sielbst und der Weit verloren; gelangt sie aber vom Protest gegen diese „Weltanschauung" zur bewußten Anerkennung ihres Trieblebens, so wird - von der Jugend aus — die Menschheit wieder wissen, was Unschuld der Sinne heißt. In der Jugend schlummert die Möglichkeit zu neuem Griechentum. Denn was bedeutet uns Griechentum, Antike anderes als die natürliche Anerkennung der Sinnenwelt, die Anerkennung, die zur Schöpfung und Schätzung aller Form geführt hat? Welch furchtbar grausame Ironie, daß die so von einem genieerfüllten Volke geschaffenen Formen dazu dienen müssen, die junge Generation in ihrem Heiligsten zu sterilisieren, an der Ausübung eben der Mission, deren Vollendung die Griechen groß machte, zu hindern! Die Resultate der Griechen werden der Jugend als Vorbilder hingestellt und die Voraussetzungen^ die allein solche Resultate ermöglichten, genommen! In der Jugend aber liegen diese Voraussetzungen, die ganze Freiheit griechischen Sinnenlebens liegt in ihr beschlossen. Noch ist ihr Geist Sinnlichkeit und Sinnlichkeit Geist, Anschauung und Begriff, Kraft der Triebe und Kraft des Geistes bilden in ihr die natürliche Einheit. Diese Einheit zu entzweien, die Unschuld der Sinne zu vernichten, ist der „Kultur" bisher immer gelungen; denn es gehört nichts dazu, als Unterdrückung. Inzwischen ist es der Jugend bewußt geworden, daß in ihr die Menschheit unterdrückt wird, daß in ihr die Menschheit leidet; und zu dieser Erkenntnis, die eindeutig die Ziele der Jugend bestimmt, soll dieser Aufsatz ein Beitrag sein. 137